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2.11 Ziele und Aufbau des Studienfachs Ethik


BESt
Bayerisches Ethikstudium
Internet Forum

Projekt des Lehrstuhls für Philosophie/SP Ethik
Prof. Dr. Christian Schröer - 86135 Augsburg

bayerisches-ethikstudium@phil.uni-augsburg.de

 

2 Grundlagen
2.1 Studium des Erweiterungsfachs Ethik (GS, MS, RS, BS*, FöS*)
     * nicht an allen Universitäten in Bayern studierbar

2.11 Ziele und Inhalte des Studienfachs Ethik


Ethik als Schul- und Studienfach

In einer pluralistischen Lebenswelt mit divergierenden Überzeugungen, Traditionen und Religionen gewinnt das Schulfach Ethik zunehmend an Bedeutung. Schon der generelle Bildungsauftrag der Schulen ist wesentlich darauf angelegt, Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zu eigenständigen Persönlichkeiten, zu selbstverantwortlichem Handeln und zur kritischen Urteilsbildung zu begleiten (BayEUG §1-2). Der Ethikunterricht verfolgt diese Ziele insbesondere dadurch, dass er Schülerinnen und Schüler an die Grundwerte menschlichen Handelns, an wichtige religiöse Traditionen und an die großen ethischen Probleme der Gegenwart heranführt.

Das Schulfach Ethik wurde bereits 1946 in der Bayerischen Verfassung (Art. 137 Abs. 2) für alle Schülerinnen und Schüler vorgesehen, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen. Aufgrund der zunächst geringen Schülerzahlen erfolgte die Einführung des Fachs jedoch erst im Jahr 1972. Heute wird es an den meisten Schulen in Bayern angeboten. Im Jahr 2008 nahmen im Landesdurchschnitt bereits zwischen zehn (Grundschulen) und zwanzig Prozent (Fach- und Berufsoberschulen) eines Jahrgangs am Ethikunterricht teil.

Die Lehrpläne führen schrittweise in die Grundfragen menschlichen Handelns ein. Die Aufmerksamkeit richtet sich zunächst auf Grundmerkmale menschlichen Handelns, auf soziale Handlungsformen und auf wichtige Formen der Handlungsbewertung, ferner auf Konflikt-, Sinn- und Verantwortungsfragen und in den höheren Jahrgangsstufen auf ein kritisches Verständnis gesellschaftlicher Institutionen, auf Gerechtigkeitsfragen und auf Fragen der individuellen Lebensgestaltung. Behandelt werden ebenso Grundzüge der großen Religionen, Wege der interkulturellen Verständigung und Positionen der modernen Religionskritik, aber auch Probleme der Umweltethik, der Wirtschaftsethik und der medizinischen Ethik.

Das Studium des Erweiterungsfachs Ethik bereitet auf die Lehrtätigkeit im Schulfach Ethik an Grundschulen, Hauptschulen und Realschulen sowie an Beruflichen Schulen und Förderschulen vor. Es will künftige Ethiklehrerinnen und Ethiklehrer dazu befähigen, Kinder und Jugendliche an die Grundlagen der persönlichen und gesellschaftlichen Lebensorientierung heranzuführen. Dazu gehört in den höheren Jahrgangsstufen auch die direkte Auseinandersetzung mit ausgewählten Quellen der philosophischen Ethik, der religiösen Traditionen und der aktuellen ethischen Diskussionen. Im Studium setzt man sich daher mit klassischen Grundbegriffen und Texten der philosophischen Ethik auseinander, man beschäftigt sich mit religiös geprägten Zugängen zu Fragen der Lebensführung und befasst sich mit zentralen Konfliktfeldern der angewandten Ethik. In der Fachdidaktik stehen vor allem grundlegende Fragen der sittlichen Erziehung und die konkrete Arbeit im Ethikunterricht im Vordergrund.

Das Studium ist fachübergreifend angelegt. Primäre Bezugswissenschaft des Fachs ist die philosophische Ethik. Bezugsdisziplinen für den Themenbereich Religion sind Religionsphilosophie und die Religionswissenschaften. Die Diskussionen um Probleme in den Bereichen der Umwelt-, der Medien-, der Wirtschafts- und der medizinischen Ethik erfordern darüber hinaus sachgerechte Zugänge zu einzelnen Human- und Sozialwissenschaften. Die Fachdidaktik orientiert sich primär an pädagogischen, psychologischen und sozialwissenschaftlichen Diskursen.

Ein Staatsexamen für das Schulfach Ethik wurde in Bayern erst mit der Lehramtsprüfungsordnung I (LPO I) vom 1. August 2002 eingeführt. Die meisten Lehrkräfte unterrichten das Fach Ethik daher gegenwärtig ohne einen entsprechenden Studienabschluss. An die Stelle der fehlenden Ausbildung treten bislang autodidaktische Anstrengungen, kollegialer Austausch und einzelne berufliche Fortbildungen, die jedoch ein akademisches Studium nicht ersetzen.

Das Studienfach Ethik kann nach der LPO I von 2002 wie auch nach der neuen LPO I von 2008 nur als Erweiterungsfach studiert werden. Wird es als freiwilliges Zusatzfach gewählt, verlängert sich die Regelstudienzeit um zwei Semester. Für bereits unterrichtende Lehrkräfte besteht die Möglichkeit, das Erste Staatsexamen für das Fach Ethik im Rahmen einer nachträglichen Erweiterung des Lehramtsstudiums abzulegen. Die Erweiterung kann in einem weiteren Hochschulstudium, aber auch in der Form eines weiterbildenden Kontakt- oder Fernstudiums erfolgen (Art. 23 BayLBG).

Wer das Studium ab dem Wintersemester 2008/09 begonnen hat, kann das Erste Staatsexamen im Erweiterungsfach Ethik auf Antrag noch bis zum Prüfungstermin im Herbst 2016 nach der früheren LPO I von 2002 ablegen (lt. Übergangsregelung der LPO I 2008, § 123, Abs. 2 Satz 3 Halbsatz 2). Die neue Regelung der LPO I von 2008 gilt für alle, die eine Erweiterungsprüfung ab dem Prüfungstermin Herbst 2009 ablegen und keinen Antrag auf Prüfung nach der früheren LPO I gestellt haben (lt. Übergangsregelung der LPO I 2008, § 123, Abs. 1 Satz 3 Halbsatz 2).