Suche

Unterrichtsstörungen im Fach Musik


Ursachen von Unterrichtsstörungen im Fach Musik aus Sicht der Beteiligten und Entwurf eines Diagnosebogens zur Metakommunikation im Musikunterricht der Bayerischen Realschule

Projektstart: 01.08.2007
Projektende: 01.05.2010
Projektträger: Universität Augsburg
Beteiligte Wissenschaftler / Kooperationen: Prof. Dr. Daniel Mark Eberhard

Zusammenfassung

Erstmalig erfolgt mit dieser Forschungsarbeit eine umfangreiche, wissenschaftliche Auseinandersetzung mit fachspezifischen Ursachen von Unterrichtsstörungen im Fach Musik. Obwohl das Problem gestörten Musikunterrichts zu den besonders starken, alltäglichen Belastungen von Lehrern und Schülern zählt, existieren bislang kaum wissenschaftliche Untersuchungen zu dieser Problematik. Im Rahmen des vorliegenden Forschungsprojektes erfolgt nach ausführlicher Aufarbeitung pädagogischer, schulpädagogischer und fachspezifischer Bezüge eine empirische Annäherung an die Problematik über die Methode der Befragung von Lehrern und Schülern. Die Ergebnisse geben vielfach Aufschluss über potenzielle Konfliktpotenziale und deren Zusammenhänge und münden evidenzbasiert in den Entwurf eines im Unterricht einsetzbaren Diagnosebogens, der sich als Anlass für eine metakommunikative Aufbereitung der Probleme seitens der Beteiligten versteht.

Beschreibung

Unterrichtsstörungen zählen zu den überzeitlichen, allgegenwärtigen und somit natürlichen Charakteristika schulischer Bildungs- und Erziehungsprozesse. Annahmen in der Fachliteratur, zahlreiche Aussagen der am Unterricht Beteiligten sowie eigene Beobachtungen geben Anlass zur Vermutung, dass das Fach Musik - im Gegensatz zur allgemeinen Beliebtheit seines Fachgegenstandes - in besonderer Weise durch das Problem „Unterrichtsstörungen“ betroffen ist.

Nicht selten führen Störungen zu starken und dauerhaften Belastungen des Unterrichts und der Lehrer-Schüler-Beziehung sowie zu Beeinträchtigungen der Lehrergesundheit, die bis zu schwerwiegender Erkrankung und Berufsunfähigkeit reichen können.

Obwohl das Phänomen als allgemein bekannt anzunehmen ist, existieren kaum fachspezifische Untersuchungen zu den Ursachen von Unterrichtsstörungen, so dass diese alltägliche Schattenseite der Unterrichtsrealität in der Forschung als vernachlässigt zu bezeichnen ist. Auch in anderen Fachdisziplinen ist ein Mangel an fachspezifischer Forschung im Hinblick auf die Ursachen gestörten Unterrichts festzustellen.

Ziel der Arbeit ist es, über empirische Zugänge ein umfassendes, neuartiges Forschungsgebiet zu eröffnen, über das sich Aussagen zur Existenz, Quantität und Qualität fachspezifischer Ursachen von Unterrichtsstörungen im Fach Musik aus Sicht der Beteiligten generieren und praktisch nutzbar machen lassen. Übergeordnet ist die Intention, mit dieser Arbeit einen Beitrag zur Problemsensibilisierung, zur Verbesserung der Unterrichtsqualität und zur Bewahrung der Lehrergesundheit zu leisten.

Unterrichtsstörungen werden dabei nicht einseitig als vom Lehrer oder vom Schüler verursacht betrachtet. Anstelle pauschaler Alltagsvermutungen, die vorschnell und undifferenziert Erklärungsansätze liefern, rücken die Einschätzungen und Erfahrungen der am Unterricht direkt Beteiligten in den Fokus der Untersuchung.

der Arbeit wird auf terminologischer Basis des Begriffes „Unterrichtsstörungen“, dessen Auswahl nach ausführlicher Abwägung alternativer Fachtermini erfolgt, der Stand der Forschung zum Themenfeld „Unterrichtsstörungen und deren Ursachen“ in der pädagogischen, schulpädagogischen und fachdidaktisch ausgerichteten Literatur beleuchtet.

Zur theoretisch-wissenschaftlichen Verankerung und als Leitmodell für die Verbindung der theoretischen, empirischen und unterrichtspraktischen Teile der Arbeit dienen die Grundsätze der Kritisch-kommunikativen Didaktik, in deren Gesamtkonzeption der störfaktorielle Aspekt des Unterrichts eingebettet ist.

In einem Empirieteil erfolgt nach Darstellung eines eigenen, fachspezifischen Systematisierungsansatzes die Erläuterung verschiedener empirischer Annäherungsversuche an die Erforschung der Ursachen von Unterrichtsstörungen im Fach Musik. Den Kern der empirischen Exploration bildet die Befragung von Lehrern und Schülern per E-Mail sowie über Einzel- und Gruppeninterviews. In einer ausführlichen Diskussion werden die Vor- und Nachteile der Beurteilung des Unterrichts aus der Lehrer- bzw. aus der Schülerperspektive dargestellt und gegeneinander abgewogen.

Hauptergebnis der Auswertung mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ist die Kategorisierung von 21 Ursachen für gestörten Musikunterricht, die systemisch-strukturell bedingte, unterrichtliche und inhaltlich-methodische Schwierigkeiten sowie problematische Aspekte auf Lehrer- und Schülerseite und im Hinblick auf deren Beziehung zueinander umfasst. Weitere Ergebnisse stellen die Systematisierung fachspezifischer Ursachen von Unterrichtsstörungen sowie Aussagen zu den Einschätzungen der Häufigkeit von Störungen im Vergleich zu anderen Fächern, zu Empathie und zu Selbst- und Fremdeinschätzung von Lehrern und Schülern dar.

In einem Praxisteil werden schließlich ausgewählte Ursachenbereiche im Hinblick auf die in der Forschung vernachlässigte Schulform der (Bayerischen) Realschule konkretisiert, indem die Schulform in Abgrenzung zu weiteren Schulformen hinsichtlich ihrer systemisch-strukturellen und historischen Bedingungen beleuchtet wird.

Veränderbare und von Schülern und Lehrern gestaltbare Ursachenbereiche werden als unterrichtspraktisch-konstruktive Umsetzung in einen Diagnosebogen eingebettet, der zur Evaluation des eigenen Musikunterrichts dient. Der Einsatz sowie der Umgang und die Auswertung des Diagnosebogens werden in einem eigenen Kapitel ausführlich beleuchtet, das überdies die Auseinandersetzung mit dem Begriff und den Methoden der Metakommunikation einschließt.

Den Abschluss der Arbeit bilden fachspezifische Forschungsausblicke sowie Vorschläge zur weiteren Bearbeitung des Problems in verwandten Fachdisziplinen. Der Anhang umfasst das der empirischen Exploration zugrunde liegende Material, z.B. Interviewtranskriptionen, Mailbeiträge, Elternbriefe, Interviewleitfäden etc.

Links: