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Kartausenmuseum Buxheim


Abgeschlossenes Projekt zur Konzeption und Umsetzung einer musikhistorischen Abteilung im Museum der Kartause Buxheim.


Die ehemalige Reichskartause Buxheim  mit ihren Kunstdenkmälern von europäischem Rang (hochbarockes Chorgestühl von Ignaz Waibel, Kirchen und Ausstattung der Gebrüder Zimmermann, 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts) wurde seit 1975 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht; seit Wiederaufstellung des Chorgestühls steht zunehmend eine Neu- bzw. Erstgestaltung der Anlage mit den verbliebenen drei Zellenhäuschen als Aufgabe im Raum, der sich der Heimatdienst Buxheim e.V. seit 2004 verstärkt widmet. In diesem Zusammenhang wurde der Verein von Seiten der Augsburger Musikwissenschaft auch auf die von ca. 1505 bis 1883 sich in Buxheim befindliche Sammlung von Tastenmusik aufmerksam gemacht, das zwischen 1460 und 1470 entstandene so genannte Buxheimer Orgelbuch, das als wichtigste Quelle für diese Musik des Spätmittelalters gilt und sich seit 1883 in der Bayerischen Staatbibliothek München (Mbs Mus. Ms. 3725) befindet.

Um die einzigartige Handschrift in ihrer Bedeutung öffentlichkeitswirksam zu machen, wurde auf Vorschlag der Augsburger Musikwissenschaft dieser musikhistorische Schatz in die Gesamtkonzeption des Kartausenmuseums Buxheim als Exponat ersten Rangs übernommen. Dabei kommt der Musikwissenschaft die Aufgabe zu, für das Orgelbuch eine Abteilung in der dritten Zelle , in den Räumen der wieder zurückgekauften Teilbestände der ehemaligen Bibliothek, zu der auch das Orgelbuch gehörte, eine musikhistorische Abteilung zu konzipieren.

Bereits im Jahre 2002 wurde von der Augsburger Musikwissenschaft ein Symposium zum Buxheimer Orgelbuch veranstaltet, dessen Ergebnisse publiziert wurden (Neues Musikwissenschaftliches Jahrbuch 2002/2003) und das den aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstand widerspiegelt. Im Wintersemester 2005/06 lagen im Rahmen eines methodischen Seminars zu musikwissenschaftlichen Mitwirkungsmöglichkeiten in Museen  erste Konzeptionen und Textentwürfe vor. Somit verfügt das Team für Buxheim, zwei bis drei Studenten und der Fachvertreter, über so viel Vorarbeiten, dass die geplanten Maßnahmen im Jahr 2007 durchgeführt werden können.

1. Im Mittelpunkt der musikhistorischen Abteilung zum Buxheimer Orgelbuch soll das klangliche Erlebnis stehen, das mittels einer digitalen Hörstation per Kopfhörer oder auch per Raumbeschallung ermöglicht wird. Dabei sollen aus dem Repertoire des Buxheimer Orgelbuchs typische Beispiele abrufbar sein, u.a. Bearbeitungen geistlich-liturgischer und weltlicher (Lied- bzw. Chanson-)Vorlagen, Präludium, Tanzkomposition und spieltechnische Übungen. Franz Raml, international renommierter Spezialist für alte Tastenmusik, wird die entsprechenden Hörbeispiel auf der nach historischen Vorbildern erbauten Riegner & Friedrich-Orgel der Pfarrkirche Buxheim einspielen. Im Zusammenhang mit der Einspielung der Tonbeispiele hält Franz Raml einen Workshop zur alten Tastenmusik für Studenten ab.

2. Mithilfe des Faksimiles des Buxheimer Orgelbuchs können sich die Besucher vom Aussehen der Quelle ein Bild machen. Die aufgeschlagene Seite vermittelt die Aufzeichnungsart der Notation für Orgelmusik im ausgehenden Mittelalter, die so genannte ältere deutsche Orgeltabulatur. Eine Transkription ermöglicht einen Vergleich von alter und heutiger Notenschrift. Die abgebildete Komposition ist zugleich auch die erste Nummer der Hörbeispiele, so dass der Besucher die Musik anhand des Faksimiles oder der Transkription mitverfolgen kann.

3. Auf der ersten Texttafel soll der Rolle der Musik beim Orden der Kartäuser nachgegangen werden. Da die Statuten eigentlich mehrstimmige und instrumentale Musik verbieten, wird anhand einiger Beispiele die Sonderrolle der Buxheimer Kartause in dieser Hinsicht erläutert. Die Verhältnisse sind dort aufgrund des einzigartigen Status einer Reichskartause etwas verschieden von den übrigen Kartäuserklöstern. So gibt es Hinweise auf Verwendung von kunstvoller mehrstimmiger Musik im 18. Jahrhundert und auf den Besitz einiger musiktheoretischer Traktate und sogar Instrumentalschulen.

4. Nach wie vor ist nicht ganz geklärt, wo das Buxheimer Orgelbuch genau entstanden ist und wie und wann es nach Buxheim kam. Auf der zweiten Text- und Bildtafel steht die Person des Gelehrten, Priesters und späteren Kartäuserdonaten Hildebrand von Brandenburg (1442-1514) im Mittelpunkt. Er schloss sich 1505 der Kartause Buxheim an, stiftete seinen über 450 Bände zählenden Bücherschatz mit und das Bibliotheksgebäude mit zugehöriger Annakapelle und Ausstattung. Hildebrand war es wahrscheinlich, der in seinem Besitz auch das Orgelbuch mitbrachte. Es wurde allerdings in Buxheim, das in der Kartausenkirche über keine Orgel verfügte, nie als praktische Musizierquelle genutzt, sondern aus rein bibliophilen Gründen aufbewahrt. Die Buxheimer Bibliothek zählte bereits im frühen 16. Jahrhundert zu den bedeutendsten im europäischen Raum, nicht zuletzt durch Hildebrands Stiftung.

5. Schließlich sei auf einer dritten und letzten Text- und Bildtafel der „Spiritus rector“ des Buxheimer Orgelbuchs vorgestellt. Conrad Paumann (um 1410/15-1473), der in Nürnberg blind geborene „kunstraichist Maister aller Instrament“, ist die erste überragende Musikerpersönlichkeit, die uns aus dem deutschen Raum bekannt ist. Er und seiner Schülerkreis dürfen als Urheber des Repertoires des Buxheimer Orgelbuchs gelten, wofür u.a. die von Paumann verfasste und im Buxheimer Orgelbuch befindliche Orgel- und Improvisationsschule, das „Fundamentum organisandi“, spricht.

6. Als Abschluss des Buxheimer Projekts wird die neue Abteilung des Kartausenmuseums zum Buxheimer Orgelbuch vom Augsburger Projektteam in einer Sonderführung vorgestellt; ein von den Studenten vorbereitetes Orgel-Gesprächskonzert in der Pfarrkirche rundet die Veranstaltung ab.

Hier finden Sie das Tagebuch zum Buxheimprojekt.