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Sängermuseum Feuchtwangen


Projekt zur Neukonzeption und Neugestaltung des Sängermuseums in Feuchtwangen.


Die Stiftung Dokumentations- und Forschungs-Zentrum des Deutschen Chorwesens, Sängermuseum, hat seit Mitte der 1990er begonnen, ein Archiv und Museum aufzubauen, zuerst mit Hilfe von Prof. Dr. Friedhelm Brusniak (früher Assistent am Lehrstuhl für Musikwissenschaft, Augsburg) und seit 2000 in Kooperation mit dem Lehrstuhl bzw. der Professur für Musikwissenschaft. Das Archiv wird seit 2001 professionell von Archivar Günter Ziesemer betreut. Dagegen war die Neukonzeption und Neugestaltung des Museums noch eine große bevorstehende Aufgabe, der sich die Augsburger Musikwissenschaft verstärkt seit 2003/04 widmet, in Abstimmung mit der Landesstelle für nichtstaatliche Museen (Dr. Otto Lohr) und dem Gestaltungsbüro Form 4 (Andreas Pietsch). Bis Frühjahr 2007 wird so der überwiegende Teil der Neugestaltung (Foyer, Dauerausstellungsräume) abgeschlossen sein. Allerdings verbleiben im Bereich der Museumsdidaktik und Museumspädagogik noch ungelöste Fragen, vor allem was die Erschließung des Museums für Kinder und Jugendliche angeht. Dies soll durch ein Museumsspiel und eine kinder- bzw. jugendgerechte Führung geschehen.

Das Sängermuseum Feuchtwangen erzählt die Geschichte der Sängerchöre, Vereine und Sängerbünde, die aus den Sing-Bewegungen des frühen 19. Jahrhunderts heraus entstanden sind (s. Abb. 4-6). Die Hauptwurzeln liegen zum einen in der eher elitär ausgerichteten Berliner Liedertafel des Goethe-Freundes und Lehrers Mendelssohns, Carl Friedrich Zelter, und in der eher alle Volksschichten umfassenden, von Pestalozzis Ideen geprägten „Liederkranz“-Bewegung Hans-Georg Nägelis in der Schweiz und dann Süddeutschlands.

Die Sängerbewegung bekam enormen Auftrieb durch die patriotische Stimmung der napoleonischen Freiheitskriege. Der nationale Aspekt sollte für die nächsten Jahrzehnte ein wesentliches Thema der Sängervereine sein, daneben spielte die Naturverehrung eine große Rolle. Die Sängervereine und ihre Treffen sind Spiegelbilder der national- wie liberal-bürgerlichen Bestrebungen, die Zerrissenheit des Deutschen Bundes hin zu einem einheitlichen Nationalstaat zu überwinden. Im weiteren Verlauf der Ausstellung verfolgt der Besucher die Stellung der Sänger und ihrer Vereine bzw. Vereinigungen nach der Reichsgründung über die Zeit der Weimarer Republik und des Missbrauchs der Bewegung im Nationalsozialismus, schließlich hin zu den Jahrzehnten des Wiederaufbaus nach 1945 bis zur Wiedervereinigung 1991.

Die Dauerausstellung ist über zwei große Räume (Erdgeschoß, Obergeschoß) mit sechs bzw. acht Abteilungen ausgelegt; einen ersten Eindruck gewinnt man im Foyer, wo auf einem Monitor die Geschichte der Sängerbewegung und auch des Museums in einem 15minütigen, von der Augsburger Musikwissenschaft erstellten Film zu sehen ist. Beide Ausstellungsräume sind mit Hörstationen ausgestattet, im Obergeschoß werden auf einem Bildschirm historische Filmausschnitte von Sängertreffen gezeigt. Zahlreiche Bildtafeln, Textzitate und ausgesuchte Exponate machen im Verbund mit dem Einsatz von Bild und Ton das Museum auch für jüngere Generationen und für „Nichtsänger“ attraktiv.

Diese günstigen Vorgaben gilt es mit den geplanten Maßnahmen bezüglich einer kinder- und jugendgerechten Führung und eines entsprechenden Spiels umzusetzen.

1. Vorbereitende Maßnahmen

Mithilfe des bestehenden Museumsfilms und einer CD-ROM, die Exponate, Texte und Bilder der Ausstellungsräume komplett enthält, sowie der bereits vollständig in Augsburg vorhandenen Grund- und Aufrisse des Museums und seines Aufbaus können bereits in Augsburg erste Entwürfe zum Museumsspiel wie auch Führungsmodelle entworfen und diskutiert werden.

2. Ausarbeitungsphase

In einem zweiten Schritt werden jeweils drei Entwürfe bzw. Modelle zu Spiel und Führung konkret und im Detail ausgeführt, um diese in einer gemeinsamen Sitzung in Feuchtwangen vorzustellen und eine gemeinsame Lösung zu finden. Vor Ort können die am Reißbrett entworfenen Vorschläge auch auf die reale Situation und auf die Raum- und Lichtverhältnisse überprüft und abgestimmt werden.
Inhaltlich sollen vor allem im Mittelpunkt stehen: Singen als Gemeinschaftserlebnis; Wert des Singens; Singen und Freiheit; Singen und staatliches Werden im 19. Jahrhundert; Ausprägungen: Männer- und Frauenchöre, Arbeiter- und Studentenchöre, kirchliche und jüdische Chöre, Jugend- , Kinder- und Schulchöre; Missbrauch des Singens; Singen und Einheit.
Als mögliche Ansatzpunkte für Spiel und Führung seien beispielsweise genannt: Zuordnung von Namen und Portraits; Zusammensetzen eines Länder- bzw. Staatenpuzzles zum Deutschen Bund; Inhalt eines an der Hörstation gehörten Liedes anhand von Reizwörtern erfassen; Auswählen von verschiedenen Noten aus den Musikbeispielen, woraus sich am Schluss ein neues, aber bekanntes Lied ergibt; Berufe-Raten anhand von Personenbeschreibungen, deren Wirken in der Ausstellung vorgestellt wird.

3. Testphase

In einer dritten Phase sollen die erarbeiteten Lösungen für Führung und Museumsspiel getestet werden. Damit dies in einem mit dem Museum thematisch verwandten Rahmen geschieht, könnte zum Beispiel ein Wandertag von Schulklassen ins Museum führen oder eine Konzert von Kinder- und Jugendchören im oder vor dem Museum abgehalten werden, um dann eine Führung zu erhalten und/oder das Testspiel auszuprobieren.

4. Abschluss

Nach mehrmaligen Tests kommt das Museumsspiel, das viele „bunte“ und interessante Abbildungen und auch einfache Notenbeispiele enthalten soll, zum Druck und wird schließlich zusammen mit der neu erarbeiteten kinder- und jugendgerechten Führung im Rahmen eines Museumsfestes für Kinder vorgestellt und ausprobiert. Langfristiges Ziel ist es, die Kinder auf spielerische Weise wieder fürs Singen zu gewinnen und in ihnen auch Interesse für den gesellschaftlich-historischen Hintergrund zu wecken.

Hier finden Sie das Tagebuch zum Mueseumsprojekt Feuchtwangen.