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Interview mit Maurice Hamers,
Professor für Blasorchesterleitung am LMZ

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Wie kamen Sie zur Musik, was sind für Sie die wichtigen Wegpunkte Ihrer musikalischen Karriere?

MH: Ich habe mit 18 Jahren mit dem Dirigieren von holländischen sinfonischen Blasorchestern, Brassbands und Fanfarenorchestern angefangen.  Mit 33 durfte ich die „Marineband of the Dutch Royal Navy“ in Rotterdam leiten, eines der besten professionellen Blasorchester der Welt. Viele Konzerte über die ganze Welt wurden gegeben, und viele CD- Produktionen wurden produziert. Im Jahr 2000 kam ich dann an die damalige Musikhochschule Augsburg- Nürnberg als Professor für Blasorchesterleitung - diese Professur war damals und ist bis heute die einzige Blasorchesterleitungsprofessur Deutschlands.  Neben meiner Lehrtätigkeit arbeite ich auch viel als Wertungsrichter bei Wettbewerben, und seit 1991 bin ich auch als Komponist tätig. Ich freue mich, dass meine Werke werden in der ganzen Welt gespielt werden. 

Was sehen Sie als Ihre Hauptaufgabe in der Lehre an?

MH: Gute künstlerische Persönlichkeiten (in diesem Fall Dirigenten) zu erziehen und aus zu bilden. Die menschlich und musikalisch integer sind und ihr Handwerk verstehen und damit eine Familie ernähren können.

Was ist das Besondere am Studiengang „Blasorchesterleitung“?

MH: Dieser Studiengang war und ist noch immer einzelartig in Deutschland. Keine Musikhochschule Deutschlands verfügt über eine Professur. Der Bachelor (4 Jahre) bereitet den/die Dirigenten/in von Laienblasorchestern vor, der Master (2 Jahre) die Leiter von professionellen Blasorchestern. Merkmal unserer Ausbildung ist, dass sehr praxisbezogen ausgebildet wird, sowohl im Bachelor als auch im Master. Weil man Dirigieren nicht nur vor dem Spiegel mit einer CD erlernen kann. Die Ausbildung beinhaltet daher viele Workshops außerhalb des Hauses, viele davon im Ausland, das stärkt auch die Fähigkeit der Studierenden, sich in einer Fremdsprache verständlich zu machen. Ganz besonders: Das LMZ verfügt über ein eigenes Sinfonisches Blasorchester, das seit 13 Jahren wöchentlich probt. Die MusikerInnen sind die Studenten des LMZ. Neben dieser praktischen wöchentlichen Übung besuchen und betreuen wir unsere Studierenden bei den Proben in ihren lokalen Orchestern. Darüber hinaus verfüge ich über sehr gute internationalen Verbindungen, die möglich machen, dass unsere Studierenden  bei den besten professionellen Blasorchestern Europas Proben leiten dürfen So waren wir schon einige Male zu Gast bei der „Königliche Militairkapelle“aus Assen (Niederlande) und die „Königliche Kapelle der Belgischen Luftwaffe“ aus Brüssel (Belgien). Auch waren wir in Wales bei der weltbesten Brassband „die Cory Band“ zu Gast und hatten eine Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik aus Cardif.

Warum sollte man sich heute noch dafür entscheiden, Musik (Blasorchesterleitung) zu studieren? Weil die Arbeit mit einem Orchester eine enorme „Befriedigung“ geben kann. Mit Menschen zusammen Musik zu gestalten, ist ein enormes Privileg in einer sich immer stärker individualisierenden Gesellschaft.

Was unterscheidet die Leitung eines (sinfonischen) Blasorchesters von der Leitung eines klassischen Sinfonieorchesters?

Die Orchesterform und dadurch die Musikliteratur sind größtenteils unterschiedlich, das Dirigat ist gleich. Der/die Blasorchesterdirigent/in muss aber über besonders gute organisatorische- und pädagogische Qualitäten verfügen, denn häufig arbeitet er/sie mit Vereinen (Orchester, Jugendorchester und Jugendausbildung), wo das außermusikalische auch eine große Rolle spielt.

Was waren/sind für Sie Highlights Ihrer Tätigkeit am LMZ?

Die jährlichen Konzerte mit dem „Hochschulblasorchester“ in der ausverkauften Augsburger Kongresshalle (1400 Zuhörer). Die Erfolge der DirigentInnen bei den größten Dirigierwettbewerben der Welt. Das wir es in 13 Jahren geschafft haben, uns aus einer sehr deprimierenden Situation in Deutschland für Symphonische Blasmusik  zu einer „Hochburg“ für Dirigentenausbildung  zu entwickeln. So jedenfalls spricht Europa über uns. Darauf sind wir sehr stolz. War aber nicht leicht.

Was ist Ihre persönliche Lebenseinstellung, was würden Sie gerne jedem Musiker in Ausbildung mitgeben?
Bis zum Tod ein „eternal student“ zu sein. Jeden Tag bereit zu sein, wieder etwas dazu zu lernen. Wir sind nie „fertig“. Und immer „das Herz und die Passion“ im Zentrum zu behalten beim Musizieren.

Gibt es besondere Pläne, Projekte, die Sie im Studiengang „Blasorchesterleitung“ in Zukunft realisieren möchten?

Ich möchte die Brassband als eine neue Orchesterform am Haus etablieren. Auch wollte ich einen internationalen Dirigierwettbewerb in Augsburg gründen, was wir 2016 getan haben.

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