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Methodenausbildung in B.A. Sozialwissenschaften


Hinweise zur Methodenausbildung im BA Sozialwissenschaften an der Universität Augsburg

Prof. Dr. Jens Luedtke / Dr. Anna Brake

 

Im BA-Studiengang Sozialwissenschaften an der Universität Augsburg nimmt die Ausbil­dung in der Theorie (Methodologie) und Praxis (Methodik) empirischer Sozial­forschung einen zentralen Stellenwert ein. Dies ist bereits daran zu erkennen, dass 46 der insgesamt zu erbringenden 180 Leistungspunkte auf die verschiedenen Me­thodenveranstaltungen im BA-Studium entfallen. Neben diesem deutlichen Gewicht (22 der insgesamt 72 zu studie­renden SWS werden in den Methodenmodulen er­bracht) kennzeichnet ein weiteres Merk­mal die Augsburger Methodenausbildung: ein gleichberechtigtes Verhältnis qualitativer und quantitativer Forschungszugänge. Die Vermittlung von theoretischem Methodenwis­sen und praktischer Methoden­kompetenz in der Lehre ist grundlegend daran orientiert, standardisierte und nicht-standar­disierte Zugänge als gleichberechtigt zu vermitteln. Damit verbindet sich das von den MitarbeiterInnen des Arbeitsbereichs getragene Methodenver­ständnis, dass weder quantitative noch qualitative Methoden aus sich heraus in An­spruch nehmen können, bessere oder höherwertigere Ansätze zu sein, sondern dass es vielmehr stets darum gehen muss, die Wahl des methodischen Zugangs und ihre Be­gründung an den jeweiligen Forschungsabsichten und dem Erkenntnisinteresse aus­zurichten.

Eine weitere, typische Eigenschaft der Augsburger Methodenausbildung besteht dar­in, Statistik und Methoden als forschungsprakti­sche Werkzeuge zu verstehen und zu vermit­teln. Damit ist gemeint, dass die Be­schäftigung mit methodischen und metho­dologischen Fragen sowie Auswertungs und Analyseverfahren kein Selbstzweck ist. Sie erfolgt viel­mehr im Kon­text konkreter Forschungszusammenhänge und hat da­durch Anwendungsbe­züge in die (außer-)wissenschaftliche Praxis.

Daher ist die Ausbildung in den Methodenmodulen ganz wesentlich an der Zielset­zung ori­entiert, den Studierenden das forschungspraktische Handwerkszeug zu ver­mitteln,  mit dem sie in der Lage sind, nach den Regeln der Kunst und mit dem nöti­gen methodologi­schen Reflexionsvermögen eigene For­schungsfragen in empiri­schen Untersuchungen um­zusetzen, aber auch  vorlie­gende Untersuchungen unter methodischen Gesichtspunkten kritisch würdigen zu können.

Das Wissen um Metho­dologie, Methoden und empirische Techniken, um die Planung und praktische Durchführung von empirischen Untersuchungen ist inzwischen eine Kom­pe­tenz, die nicht nur im Wissenschafts­betrieb, sondern auch bei außerwissenschaftli­chen Tätigkeiten von Bedeutung ist. Da immer mehr Entscheidungen auf Ba­sis von Daten ge­troffen werden, ist es wichtig, sich in der steigenden Daten­flut ori­entieren und qualitativ gute von qua­litativ schlechten Daten unterscheiden zu können.

Diese Kompetenz, empirische Studien methodisch korrekt bewerten zu können, was die Belastbarkeit der Datenbasis, die Angemessenheit der Datenauswertung sowie die gezo­genen Schlussfolgerungen betrifft, hilft Studierenden auch, Zugang zum em­pirisch gesi­cherten Erkenntnisfortschritt ihres Faches zu erhalten. Darüber sowie über den Praxisbe­zug der Ausbildung lernen sie, dass Methodenkompetenz kein Selbstzweck ist.

In Augsburg wird im Bachelorstudiengang Sozialwissenschaften viel Wert darauf ge­legt, den Zugang zu empirischen Methoden über eigene (kleinere) forschungsprakti­sche Übun­gen zu ermöglichen. In einschlägigen methodischen Lehrbüchern fin­den sich in aller Regel Beschreibungen von „best practices“. In der Forschungspraxis stellt sich die Situation häu­fig anders dar, wenn z.B. bei der Entwicklung der For­schungsinstrumente Zugeständnisse an die jeweiligen Besonderheiten des Untersu­chungsfeldes gemacht werden müssen. Da­her zielt die Augsburger Methodenausbil­dung genau darauf ab, den Studierenden diese forschungspraktische Seite näher zu bringen. Sie erhalten in allen Veranstaltungen der verschiedenen Methodenmodule (mit Aus­nahme der Vorlesungen Empirie und Statistik) Gelegenheit zur Einübung der ver­schiedenen Schritte im Forschungsprozess: z.B. Ent­wicklung von Interviewleitfä­den, das Führen qualitativer Interviews, Fragebogenkonstrukti­on, eigene statistische Ana­lysen vornehmen, die Durchführung von Beobachtungen oder die Generierung eines Kategoriensystems im Rahmen einer Inhalts­analyse, die pri­mär- und sekundär­analytische Auswertung quantitativer Datensätze mit SPSS oder die Analyse vorlie­gender Interviewdaten mit MAXqda usw.

Der Weg führt vom ersten praktischen Hineintasten in die Welt der Methodenanwen­dung (Modul PM 1) zunächst zur Vermittlung und zum Einüben der theoretischen Grundlagen von qualitativen und quantitativen Methoden (Modul MM1) sowie zur Statistik (Modul MM 2), bei der es anwendungsbezogen um die Grund­lagen der quantitativen Auswertungsver­fahren und der Hypothesenprüfung geht. Im darauf fol­genden Modul MM 3 werden die Kenntnisse  sowohl in qualitati­ven als auch in quan­titativen Methoden praktisch angewen­det und vertieft. Die praktische Umsetzung des bislang Erlernten erfolgt dann abschlie­ßend je nach Interesse in einem zweisemestri­gen qualitativen oder einem quantitativen Forschungsprojekt (Forschungsmodule FM 1 und FM 2).