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Geniale Wissenschaft - selbst erleben


Geniale Wissenschaft – selbst erleben: Mittelschüler befragen den Augsburger Friedensforscher Prof. Christoph Weller

 

Das Zentralinstitut für Wissenschaftsreflexion und Schlüsselqualifikationen (ZiWiS) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und das Schulmuseum Nürnberg haben mit Unterstützung der Robert-Bosch-Stiftung das Projekt „Geniale Wissenschaft – selbst erleben“ ins Leben gerufen: Schülerinnen und Schüler aus Mittelschulen der Region beschäftigen sich ein Schuljahr lang mit wissenschaftlichen Themen und treffen renommierte Forscherpersönlichkeiten, darunter Leibniz- und Nobelpreisträger. Am 22. Mai 2019 stand bei einem Besuch der Universität Augsburg die Friedensforschung im Mittelpunkt des Interesses.

 

Desinteresse, Skepsis und Ablehnung zwischen Mittelschülern und Wissenschaft sind scheinbar festgelegt. Immer wieder wird eine Spaltung der Gesellschaft in vermeintlich bildungsnahe und bildungsferne Schichten diskutiert. Dabei steckt hier ein echtes Potential: Unter diesen Schülerinnen und Schülern finden sich nicht nur unerkannte Begabungspotentiale, sie bilden vielmehr einen wesentlichen Teil der Gesellschaft, als künftige Steuerzahler, Wähler oder auch als Eltern, die die Einstellung späterer Schülergenerationen prägen. Für Mathias Rösch vom Schulmuseum ist die entsprechende Projektarbeit ein lohnendes Unterfangen: „Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder sehr positive Erfahrungen in Projekten gemacht, die Wissenschaft an Jugendliche aus vermeintlich bildungsfernen Schichten vermitteln. Wenn Forschung hautnah erlebt – und verstanden –  wird, stärkt das nicht nur das Selbstwertgefühl, es kann sich zugleich ein neues, positives Bild von Wissenschaft entwickeln.“

 

Schüler erleben Forschung

Mit ihrem Projekt setzen das Schulmuseum und das ZiWiS daher auf das persönliche Erleben, die persönliche Begegnung: Unterstützt durch ein Team von sechs studentischen Hilfskräften beschäftigen sich zwei 8. und eine 9. Klasse aus drei Nürnberger Mittelschulen mit Forscherpersönlichkeiten und deren wissenschaftlichen Themen, wie beispielsweise Friedensforschung, Relativitätstheorie, Wasserstoff als Energieträger, Genforschung und Mythenforschung. Anschließend besuchen die Jugendlichen „ihre“ Forscher und deren Institute, dazu weitere Einrichtungen wie die Universitätsbibliothek und die Mensa und erleben somit auch den universitären Alltag. Zusätzlich können die Schüler am Lehrstuhl für Schulpädagogik mit Schwerpunkt Mittelschule der FAU zusammen mit Prof. Thomas Eberle dann selbst in die Rolle von Wissenschaftlern wechseln, ein kurzes eigenes Forschungsprojekt durchführen und dabei wissenschaftliche Arbeitsweisen kennenlernen, von Hypothesenentwicklung über Datenerhebung bis zur Auswertung.

 

Wie ticken Leibniz- und Nobelpreisträger?

Dieses Treffen mit erfolgreichen Forschern ist der Höhepunkt des Projekts. Leibnizpreisträger Prof. Peter Wasserscheid vom Lehrstuhl für Chemische Reaktionstechnik und Humboldt-Professor Prof. Vahid Sandoghdar vom Lehrstuhl für Experimentalphysik und einer der Direktoren des Max-Planck-Instituts für die Physik des Lichts sowie der Musikwissenschaftler und Lehrstuhlinhaber an der Nürnberger Hochschule für Musik, Prof. Martin Ullrich, haben die Schüler bereits im März in ihren jeweiligen Laboren besucht. Dabei erhielten die Schüler einen Einblick, wie die Forscher arbeiten, was sie antreibt und welche ungeklärten Fragen sie derzeit beschäftigen. Im April und Mai folgten Besuche bei der FAU-Amerikanistin und Leibniz-Preisträgerin Prof. Heike Paul, bei dem FAU-Lehrstuhlinhaber für Experimentalphysik (Optik), Prof. Gerd Leuchs, bei der Genforscherin und Nobelpreisträgerin Prof. Christiane Nüsslein-Vollhard von der Eberhard Karls Universität Tübingen und bei Prof. Hanno Sahlmann vom Lehrstuhl für theoretische Physik III (Quanten Gravitation) der FAU.

 

Was macht die Friedensforschung?

Zum Abschluss besuchten die Schülerinnen und Schüler am 22. Mai an der Universität Augsburg den Friedensforscher Prof. Christoph Weller, der ihnen einführend die Entstehung der Friedensforschung am Ende des Ersten Weltkrieges erläuterte und dabei unmittelbar an die Themen des schulischen Geschichtsunterrichts anknüpfte: „Das Erschrecken über die Opfer und die Zerstörungen des Krieges führte zu der Erwartung an die Wissenschaft, welchen Beitrag wissenschaftliche Forschung zum Frieden leisten kann. Das war der Beginn wissenschaftlicher Friedensforschung.“ Weller verdeutlichte aber auch das Scheitern dieser ersten wissenschaftlichen Bemühungen in Großbritannien und den USA im Zusammenhang der Vorbereitungen des Zweiten Weltkrieges, dann jedoch auch die neuen Ansätze in den 1950er und 1960er Jahren in Deutschland, angefangen mit der Kritik an Atomwaffen durch die Göttinger Achtzehn über die Gründung der Deutschen Gesellschaft für Friedens- und Konfliktforschung (DGFK) 1970 bis hin zum seit 1987 jährlich erscheinenden „Friedensgutachten“ der vier großen deutschen Friedensforschungsinstitute, das jeweils Anfang Juni veröffentlicht wird. Anschließend stellten die Schüler noch ihre sorgfältig vorbereiteten Fragen, die deutlich machten, mit welcher Intensität und Differenziertheit sie sich auf den Besuch in Augsburg vorbereitet hatten. Eine Stippvisite in der Vorlesung von Prof. Weller bildete dann den vorläufigen Abschluss dieses Eintauchens der Mittelschüler in die Welt der Wissenschaft.

 

Studierende sensibilisieren

Das Projekt hat nicht nur Schüler im Fokus, sondern auch Studierende, insbesondere in den Lehramtsstudiengängen. Diese Zielgruppe hat es in der Hand, in ihren späteren Berufen Jugendliche für Wissenschaft zu begeistern und entsprechende Vermittlungsstrategien zu entwickeln. „Darüber hinaus ist es wichtig, möglichst viele Studierende über Themen wie Bildungsgerechtigkeit und soziale Einflussfaktoren bei der Wissensproduktion zu informieren. Wir betreiben hier auch Wissenschaftsreflexion“, so Sebastian Schuol vom ZiWiS. Das Projekt bietet verschiedene Seminare an und lässt FAU-Studierende, darunter auch ehemalige Mittelschüler, die im Projekt als Role-Models helfen, von Anfang an die einzelnen Schülergruppen moderieren.

 

 

Weitere Informationen:

 

Prof. Dr. Christoph Weller

Lehrstuhl für Politikwissenschaft,

Friedens- und Konfliktforschung

Universität Augsburg

Tel.: 0821-598-5614

E-Mail: weller@phil.uni-augsburg.de

 

Lisa Bauereisen, M.A.

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Schulmuseum Nürnberg

Tel.: 0911-5302-574

Email: lisa.bauereisen@fau.de

Meldung vom 06.06.2019