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CfP: Iran – ewiger Feind oder potenzieller Partner?


Sammelband in der Reihe: Innovative Forschungskonzepte – Designs and Methods of Contemporary Social Science, Nomos Verlag
Deadline: 30. Oktober 2013.

 

von Dr. Andreas Bock und Ingo Henneberg, M.A.

 

Iran ist ein fundamentalistisch-islamistisches Regime, das Wahlen fälscht, die Menschenrechte missachtet, eine aggressive, den Terrorismus unterstützende, anti-israelische Außenpolitik verfolgt und nach einer eigenen Atombombe strebt. Folgerichtig ist Iran außenpolitisch isoliert oder kooperiert nur mit problematischen Regimen. Natürlich kann man die Islamische Republik Iran und ihre Innen- und Außenpolitik so sehen und auch so bewerten. Und tatsächlich ist in der politischen und zum Teil auch in der wissenschaftlichen Diskussion um Iran eine solche perspektivische Engführung festzustellen.

Wir halten diese Engführung allein schon deshalb für problematisch, weil sie den Spielraum möglicher Bearbeitungsszenarien der mit Iran verbundenen Konflikte unnötig einengt.

 

Der Sammelband versteht sich daher ausdrücklich als der Versuch, die verschiedenen Konflikte, die sowohl innenpolitisch wie außenpolitisch mit Iran in Verbindung gebracht werden, auf breiter Grundlage systematisch zu analysieren und kontrovers zu diskutieren.

 

Alle Beiträge sollen als strukturierte Konfliktanalyse aufgebaut sein, welche folgende grundlegenden Strukturmerkmale aufgreift (in aller Kürze):

  • Konfliktgegenstand (teilbar/unteilbar?) und Konflikttyp (Interessen, Mittel, Werte, Herrschaft),

  • Konfliktparteien (ggf. idealtypisch vereinfacht),

  • Konfliktaustragungsform (gewaltsam/nicht gewaltsam),

  • Konfliktgeschichte (welche ist relevant?) und

  • (potentielle) Institutionen der Konfliktbearbeitung (Hierbei könnten jeweils auch Handlungsoptionen wie z. B. Sanktionen, Militärische Intervention, Systemwechsel, Kooperation etc. diskutiert und policy-Empfehlungen gegeben werden, was dem Band eine Relevanz für EntscheiderInnen in der Politik geben würde.).

Zudem soll jeweils das eigene Verständnis der verwendeten Schlüsselbegriffe wie z.B. Macht, Gewalt, Sicherheit, Herrschaft, Legitimität, Wahrnehmung usw. transparent gemacht werden.

 

Ziel sollen Analysen sein, die methodisch reflektiert und strukturiert sind und so einen Vergleich unterschiedlicher Herangehensweisen, theoretischer Vorannahmen und Definitionen ermöglichen. Dies erscheint uns insbesondere vor dem Hintergrund notwendig, dass einerseits die Zahl der IB- und Friedens- und Konfliktforschungsstudiengänge stetig zunimmt, es aber andererseits bislang an guten Beispielen für die strukturierte Analyse von Konflikten mangelt. Unser Sammelband versucht diese Lücke zu schließen und methodisches Neuland zu betreten, in dem er die Methode der strukturierten Konfliktanalyse beispielhaft auf Iran anwendet und in einem Band zusammenfasst.

 

Als mögliche Themenfelder lassen sich aus unserer Sicht identifizieren:

  1. Atomprogramm

  2. Regionale Sicherheitsdimension

  3. special relationship USA - Iran

  4. Selbstwahrnehmung Iran

  5. Außenwahrnehmung Irans.

 

Mögliche Fragestellungen wären (Auswahl, weitere Beispiele finden Sie unten):

  • Aggressive Außenpolitik aufgrund innenpolitischen Drucks (Liberalismus) oder legitimes Sicherheitsstreben (Neo-Realismus)?

  • Berücksichtigung der prekären Sicherheitslage Irans und Israels (Gefangenendilemma: Möglichkeit einer spieltheoretisch-modellierten Konfliktanalyse

  • Analyse der Rhetorik Achmadinedschads: Was sagt er und was wird davon wie wahrgenommen? Bsp. wäre die Fehlübersetzung des "Israel must be wiped off the map"-Zitats (2005) (Konstruktivismus)

  • Hätte die iranische Atombombe eine stabilisierende (Waltz) oder destabilisierende (Sagan; Kroenig) Wirkung?

  • Irans souveränes Recht auf zivile Nutzung der Atomkraft? (völkerrechtliche Dimension).

 

Um diesen methodisch-theoretischen Fokus weiter zu schärfen, wollen wir den Konfliktgegenstand Atomprogramm (mit dem reduzierten/idealtypischen Akteurssetting Iran – USA) aus Sicht der Großtheorien der Internationalen Beziehungen (Realismus, Neo-Realismus, Liberalismus, Institutionalismus, Konstruktivismus) analysieren, um so die verschiedenen theorieimmanenten Schwerpunkte sowie Möglichkeiten und Grenzen des theoriebasierten Erkenntnisgewinns deutlich zu machen.

Weiterhin würden wir uns natürlich auch über theoretisch-methodische Reflektionen der Analyse internationaler Konflikte sowie des Werkzeugs der strukturierten Konfliktanalyse freuen. Hiervon erhoffen wir uns nicht nur Beispiele für unterschiedlichste Herangehensweisen im Bereich der Konfliktanalyse zu geben, sondern auch einen Beitrag zur fachlich-methodischen Debatte in der politikwissenschaftlichen Konfliktforschung zu leisten, der über den Gegenstand Iran hinausweist.

 

Formalia:

Deutsche oder englische Abstracts (max. 1.000 Wörter) können bis zum 30. Oktober 2013 per Mail bei den Herausgebern Dr. Andreas Bock und Ingo Henneberg, M. A. (sammelband-iran@web.de) eingereicht werden und sollten die Fragestellung, die theoretischen Grundlagen sowie ggf. die empirische Datengrundlage darlegen. Wird der eingesandte Beitrag zur Publikation ausgewählt (bis  30. November 2013), sollten die vollständigen Beiträge (bis max. 50.000 Zeichen) bis zum 1. März 2014 eingesandt werden. Alle eingesandten Beiträge durchlaufen ein Review-Verfahren durch die Herausgeber oder externe GutachterInnen. Der Druck des Buches ist für Juli 2014 im NOMOS Verlag in der Reihe Innovative Forschungskonzepte - Designs and Methods of Contemporary Social Science festgelegt. Um die vorgesehene Vergleichbarkeit der Beiträge zu garantieren, senden wir den  AutorInnen detaillierte Informationen zeitgleich mit der Einladung zu, den vorgeschlagenen Beitrag zu schreiben.