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DFG-Projekt "Christliche Friedensethik"


Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat Prof. Dr. Bernd Oberdorfer, Ordinarius für Evangelische Theologie mit Schwerpunkt Systematische Theologie und theologische Gegenwartsfragen, Gelder für das über zwei Jahre laufende Projekt "Christliche Friedensethik" bewilligt. Damit kann im Augsburger Friedensjahr 2005 der Forschungsschwerpunkt "Theologische Friedens- und Konfliktforschung" am Institut für Evangelische Theologie weiter ausgebaut werden.

Das ökumenisch angelegte DFG-Projekt baut auf das Forschungsvorhaben "Protestantische Friedensethik" auf, an dem Prof. Dr. Oberdorfer bereits seit Beginn des Jahres 2004 mit Mitteln aus der Forschungsförderung Typ A der Universität Augsburg zusammen mit einer Hilfskraft gearbeitet hat. In dem neuen, größeren Projekt kann nun auch ein wissenschaftlicher Mitarbeiter beschäftigt werden. Oberdorfer, im April 2005 aus Südafrika zurückgekehrt, wo er an der University of Stellenbosch einen Teil seines Forschungssemesters verbrachte, möchte in der Friedensforschung Kontakte pflegen und ausbauen, beispielsweise mit dem Lutherischen Weltbund, dem Ökumenischen Rat der Kirchen und theologischen Friedensforschungsinstituten in den USA und interdisziplinär mit den Fächern Katholische Theologie, Politologie, Soziologie, Europäische Kulturgeschichte und Kommunikationswissenschaft. Schon seit 2001 existiert an der Universität Augsburg die Initiative Friedens- und Konfliktforschung (IFK), der Wissenschaftler aller Fakultäten angehören.

Zugrunde liegt dem jetzt genehmigten DFG-Forschungsprojekt "Christliche Friedensethik seit dem 11.9.2001. Kirchliche Stellungnahmen und theologische Diskussionen zum 'war on terror' im ökumenischen Vergleich" die Überlegung, dass die geopolitischen Veränderungen seit dem Ende des Kalten Krieges auch die friedensethische Diskussion in den christlichen Kirchen vor ganz neue Herausforderungen stellten – schon anlässlich des Kosovo-Konflikts, besonders aber seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und dem danach ausgerufenen "war on terror". In Frage steht, ob die im Zuge der wechselseitigen atomaren Bedrohung politisch-militärischer "Blöcke" entwickelten friedensethischen Konzepte (insbesondere die Ablehnung der Lehre vom "gerechten Krieg") angesichts innerstaatlicher ethnischer Konflikte und global auftretenden nichtstaatlichen Terrors noch leistungsfähig sind.

Ausgehend von den bereits im A-Projekt untersuchten Debatten im deutschen Protestantismus soll das Projekt kirchliche und wissenschaftlich-theologische Diskussionsprozesse zu diesem Fragenkomplex samt ihrer medialen Rezeption im interkonfessionellen und internationalen Vergleich recherchieren, dokumentieren und analysieren. Leitend ist die Vermutung, dass die Haltung der einzelnen Kirchen geprägt ist durch ihre jeweiligen friedensethischen Traditionen einerseits, durch die politisch-gesellschaftlichen Konstellationen in den Staaten, in denen sie existieren, andererseits. Kirchliche Stellungnahmen sollen deshalb auf der synchronen Ebene durch interkonfessionellen und internationalen Vergleich (besonders zwischen protestantischen und römisch-katholischen Kirchen unter Konzentration auf Deutschland und die USA) profiliert und kontextualisiert werden. Sie sollen zudem in diachroner Perspektive in die jeweilige friedensethische Tradition eingetragen werden. Deskriptiv erhellt werden sollen Kontinuität und Veränderung in den Äußerungen seit 2001. Gefragt wird insbesondere nach Interferenzen zwischen politisch-kulturellen Faktoren und der Prägekraft religiös-theologischer Traditionen.

Um eine repräsentative Breite der Dokumentation zu gewährleisten, müssen methodisch über die offiziellen Stellungnahmen der kirchenleitenden Instanzen der jeweiligen Kirchen hinaus auch die innerkirchlichen (z. B. synodalen) Verständigungsprozesse, die öffentlichen Äußerungen von Kirchenrepräsentanten in den Medien, Artikel in kirchlichen Publikationsorganen etc. sowie besonders auch die akademisch-theologische friedensethische Reflexion berücksichtigt werden. Anhand der Berichterstattung in der überregionalen Presse soll zugleich die öffentliche Resonanz der innerkirchlichen Diskussionen untersucht werden. Aus der deskriptiven Analyse heraus soll das Projekt schließlich normativ Ansätze entwickeln zu einer protestantischen Friedensethik unter den veränderten geopolitischen Bedingungen.

Laufzeit des Projekts: 01.09.2005 – 30.08.2007

Projektleiter: Prof. Dr. Bernd Oberdorfer
Wiss. Mitarbeiter: Bernd Kirchschlager, M.A.
Wiss. Hilfskraft: Marcus Beck, M.A.