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Informelles Lernen im Netz


Ausgangslage:

Immer mehr Menschen haben Zugang zum Internet (vgl. Klumpe, 2011, S.370; Initiative D21, 2010, S. 10). Zudem nimmt das Internet im Leben einzelner mehr und mehr Raum ein (vgl. Ridder & Turecek, 2011, S. 575). 72 Prozent der Deutschen haben derzeit einen Internetzugang (Initiative D21, 2010, S. 10), knapp 69 Prozent davon eine Breitbandverbindung (ebd., S. 23). Täglich sind die Deutschen im Schnitt 83 Minuten online (vgl. Ridder & Turecek, 2011, S. 575). Dort befassen sie sich vor allem damit E-Mails zu schreiben, Suchmaschinen zu benutzen oder „einfach nur so“ zu surfen (van Eimeren & Frees, 2011, S. 341). Aber auch die zielgerichtete Suche nach Informationen ist eine weit verbreitete Nutzungsform (ebd.).
Dennoch klaffen große Lücken in unserem Wissen darüber, wie und wozu das Internet genutzt wird, wie genau diese Nutzung abläuft oder wodurch sie beeinflusst wird. Bis heute hinkt die Erforschung dieses Mediums hinter dessen rasanter Entwicklung und Veränderung her.
Demgegenüber stellt das Netz heute DAS Werkzeug in der Informations- und Wissensgesellschaft schlechthin dar. Die Befähigung Aller zu einem richtigen – „kompetenten“ – Umgang mit dem Medium und dessen Inhalten stellt mittlerweile eine politische Forderung dar (vgl. u.a. Heine & Radke, 2010, o.S.).

Das Internet dient in der Wissensgesellschaft  als Mittel zum Zweck. So scheint es aktuell weniger wichtig zu sein, ein breites Wissen zu haben und traditionelle Fertigkeiten zu beherrschen. Vielmehr ist es entscheidend den steigenden Anforderungen durch ständige Veränderung und immer neue Rahmenbedingungen, die Politik, Wirtschaft, Arbeitsleben, Familie und Freizeit an die Menschen stellen, gewachsen zu sein. Solche Forderungen verlangen von den Gesellschaftsmitgliedern ein hohes Maß an Lernbereitschaft und –fähigkeit. In diesem Sinne findet sich auch die ebenfalls politische Forderung nach dem „lebenslangen Lernen“. Ein solches andauerndes Lernen kann von traditionellen Bildungseinrichtungen wie Schulen, Aus – und Weiterbildungsstätten, allein aufgrund ihrer zeitlichen Begrenzung, aber auch darüber hinaus, nicht in umfassendem Maße gewährleistet werden.
Lernen wird durch diese Diskrepanz zwischen den Anforderungen an die Menschen und den Beschränkungen in den Angeboten traditioneller Bildungseinrichtungen zunehmend entgrenzt (vgl. Dohmen, 2001, S. 8). Das Augenmerk richtet sich auf neue Formen der Bildung und des Lernens. Mit dieser Entwicklung rückt das informelle Lernen – als, im weitesten Sinne, Lernen außerhalb formaler Bildungseinrichtungen – ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Forschungsfragen:

Im Rahmen des Projektes ist folgende Frage zu beantworten:

„Unter welchen Bedingungen findet informelles Lernen im Internet statt?“

Zur konkreten Bearbeitung werden folgende Teilfragen in den Blick genommen:

„Wie wird im Internet informell gelernt?“
„Welche Angebote werden online zum informellen Lernen genutzt?“
„Welche individuellen Voraussetzungen sind die Ursachen informellen Online-Lernens?“

Methodischer Ansatz:

In der laufenden Untersuchung werden die Vorteile, welche qualitative und quantitative Verfahren bieten, kombiniert um auf diesem Weg die Nachteile beider möglichst zu minimieren. Zur möglichst umfassenden Erforschung des gewählten Themas wurde dementsprechend ein multi-methodischer Zugang gewählt.
Die Untersuchung setzt sich aus drei Teilstudien zusammen. Im ersten Teilschritt wird eine ethnographische/ netnographische Vorstudie Aufschluss darüber geben, welche Orte des Internets Lernanlässe bieten und/oder zum Lernen genutzt werden. Auch soll durch diese Studie aufgedeckt werden, wie bewusst die einzelnen Lernprozesse den Agierenden jeweils sind. Ziel dabei ist nicht nur die Beantwortung der für die Vorstudie formulierten Fragen (siehe oben), sondern auch die Entwicklung eines Leitfadens. Der entstandene Leitfaden bildet nun die Grundlage für den zweiten Teil der Untersuchung: In der Hauptstudie sollen mittels (qualitativer) problemzentrierter Leitfadeninterviews die Kenntnisse über das informelle Online-Lernen erweitert werden und zudem die Fragen wie und wozu wird online informell gelernt sowie die Frage nach den Bedingungen informellen Lernens online erforscht werden.
Abgerundet wird die Empirie in einem letzten Schritt durch eine quantitative Untersuchung in der die herausgearbeiteten Hypothesen geprüft werden.