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Virtuelles Training für Einsatzkräfte


Überblick über die Schadenslage.

Katastrophen geschehen in der Regel ohne Vorwarnung. Wenn es soweit ist, kann ein geübtes Zusammenspiel der unterschiedlichen Behörden und Organisationen im Katastrophenschutz Leben und Sachwerte retten: Gut ausgebildete Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten müssen vor Ort in unübersichtlichen Lagen eng miteinander kooperieren und oftmals schnelle, aber besonnene Entscheidungen treffen.

Die Gegebenheiten und das Chaos einer Katastrophe in der Realität zu simulieren fällt schwer; die Organisation entsprechender Großübungen ist kompliziert: Denn diese sind mit einem immensen personellen, finanziellen, logistischen und zeitlichen Aufwand verbunden. Ein gutes Beispiel für die Ausmaße einer solchen Übung ist die länderübergreifende Krisenmanagement-Übung „Lükex", die im Januar 2010 unter anderem auf dem Flughafen Köln/Bonn einen Terrorangriff mit chemischen und atomaren Sprengsätzen simulierte. Rund 300 000 Euro kostete die Vorbereitung und Durchführung allein das Land Nordrhein-Westfalen, das sich als eines von drei Ländern mit Übungsstandorten zur Verfügung stellte. Um die 36-stündige Großübung zu planen, waren rund zwei Jahre Vorlauf notwendig. Es galt nicht nur, geeignete Übungsstandorte zu finden und freiwillige Scheinopfer zu rekrutieren. Viel aufwändiger ist die Sicherstellung der Alarmbereitschaft aller beteiligten Behörden und Organisationen während der Übung - denn das reale Leben läuft weiter.

Aufgrund der hohen Kosten und des immensen organisationstechnischen und logistischen Aufwands sind reale Katastrophenübungen selten. Dabei ist Learning by Doing, das Lernen im praktischen Tun, eine der effektivsten Methoden, um schwierige Sachverhalte zu trainieren. Es besteht ein großer Bedarf an effizienten und vor allem bezahlbaren Trainingslösungen. Studierende des Seminars "Bildung und Kommunikation in 3D" haben sich daher mit der Frage nach der Möglichkeit eines virtuellen Katastrophentrainings befasst und ein prototypisches Katastrophenszenario als dreidimensionales Online-Training entwickelt.

Eine Einsatzkraft der Feuerwehr unter Atemschutz im verrauchten Gebäude.

Aufgebaut als Serious Game simulierte das Szenario den Absturz eines Frachtflugzeuges in einem Wohngebiet. Die daraus resultierenden Aufgaben für die alarmierten Einsatzkräfte gliederten sich in zwei Bereiche: Medizinische Einsatzkräfte sollen aufgrund der hohen Zahl an Verletzten und Hilfebedürftigen eine Triage - eine Einteilung der Absturzopfer anhand der Schwere ihrer Verletzungen und des daraus resultierenden Behandlungsbedarfs - vornehmen. Um dies möglich zu machen, wurde jedes der virtuellen Scheinopfer mit einer Notecard ausgerüstet, welche den individuellen Zustand und eventuelle Äußerungen der Person detailliert darstellt; zudem sind blutende Wunden und andere Verletzungen an den Opfern erkennbar und helfen bei der Einordnung.

Löscharbeiten im Flammenmeer.

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr indes müssen mehrere sich ausbreitende Feuer bekämpfen. Eine taktisch richtige Entscheidung über den Beginn der Brandbekämpfung ist hier immens wichtig: Nur wenn die Spieler richtig reagieren, auf Eigensicherung achten und die Löscharbeiten an der richtigen Stelle beginnen, kann weiterer Schaden von den teils vom Feuer eingeschlossenen Verletzten sowie den Einsatzkräften selbst abgewendet werden. Denn wer sich ohne Atemschutz in die verrauchten Gebäude begibt oder den Flammen zu nahe kommt, erleidet Schäden bis hin zum Eintritt in die Bewusstlosigkeit und erschwert so als zusätzlicher Verletzter die Rettungsarbeiten.

Alle Handlungen der Einsatz-Avatare können im Szenario durch Screen-Capture-Tools mitgefilmt und im Anschluss entweder inworld oder real ausgewertet und reflektiert werden.

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