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2.31 Fachprofil Philosophie


BESt
Bayerisches Ethikstudium
Internet Forum

Projekt des Lehrstuhls für Philosophie/SP Ethik
Prof. Dr. Christian Schröer - 86135 Augsburg

bayerisches-ethikstudium@phil.uni-augsburg.de

 

2 Grundlagen
2.3 Amtliche Grundlagen

2.31 Fachprofil für das Lehramtsstudium im Fach Philosophie (KMK-Beschluss)

SEKRETARIAT DER STÄNDIGEN KONFERENZ

DER KULTUSMINISTER DER LÄNDER

IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND

 

Ländergemeinsame inhaltliche Anforderungen

für die Fachwissenschaften und Fachdidaktiken

in der Lehrerbildung

(Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 16.10.2008 i. d. F. vom 16.09.2010. Quelle als PDF auf www.kmk.org)


1. Auftrag

Die Kultusministerkonferenz hat in den „Eckpunkten für die gegenseitige Anerkennung von Bachelor und Masterabschlüssen in Studiengängen, mit denen die Bildungsvoraussetzungen für ein Lehramt vermittelt werden“ (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 02.06.2005; sog. Quedlinburger Beschluss) verabredet, die „Standards für die Lehrerbildung: Bildungswissenschaften“ (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 16.12.2004) weiterzuentwickeln. Darüber hinaus wurde die Notwendigkeit gesehen, ländergemeinsame inhaltliche Anforderungen für die Fachwissenschaften und deren Didaktik zu entwickeln. Die Standards für die Bildungswissenschaften und die Anforderungen für die Fachwissenschaften und Fachdidaktiken sollen eine Grundlage für die Akkreditierung und Evaluierung von lehramtsbezogenen Studiengängen bilden.

Übergreifendes Ziel ist es, die Mobilität und Durchlässigkeit im deutschen Hochschulsystem zu sichern und im Interesse der Studierenden die wechselseitige Anerkennung der erbrachten Studienleistungen und der erreichten Studienabschlüsse, die auf den Lehrerberuf vorbereiten, zwischen den Ländern zu gewährleisten.

Mit der Vorgabe sog. Fachprofile verständigt sich die Kultusministerkonferenz auf einen Rahmen der inhaltlichen Anforderungen für das Fachstudium. Die Länder und die Universitäten können innerhalb dieses Rahmens selbst Schwerpunkte und Differenzierungen, aber auch zusätzliche Anforderungen festlegen.

Die Fachprofile sind auf die Fächer der allgemeinbildenden Lehrämter bezogen; der Fächerkatalog ist auf diejenigen Fächer beschränkt, die in den Prüfungsordnungen (nahezu) aller Bundesländer vorkommen. Sie wurden in Zusammenarbeit mit Fachwissenschaftlerinnen und Fachwissenschaftlern sowie Fachdidaktikerinnen und Fachdidaktikern unter Beteiligung von Fachgesellschaften, Kirchen und Lehrerorganisationen entwickelt. Die Kultusministerkonferenz dankt allen Personen, Institutionen und Verbänden, die zur Entwicklung der Fachprofile durch Entwürfe, Anregungen und Kritik beigetragen haben.

[Auflistung der Personen, Institutionen und Verbände sowie der einbezogenen grundlegenden Beschlüsse, Positionspapiere und Quellen s. Anhang.]


2. Definition fachbezogener Kompetenzen von Lehrerinnen und Lehrern

Die inhaltlichen Anforderungen an das fachwissenschaftliche und fachdidaktische Studium für ein Lehramt leiten sich aus den Anforderungen im Berufsfeld von Lehrkräften ab; sie beziehen sich auf die Kompetenzen und somit auf Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Einstellungen, über die eine Lehrkraft zur Bewältigung ihrer Aufgaben im Hinblick auf das jeweilige Lehramt verfügen muss.

Diese Kompetenzen werden während der verschiedenen Phasen der Lehrerbildung und in unterschiedlichen Bildungseinrichtungen erworben:

1. Grundlegende Kompetenzen hinsichtlich der Fachwissenschaften, ihrer Erkenntnis- und Arbeitsmethoden sowie der fachdidaktischen Anforderungen werden weitgehend im Studiumaufgebaut.

2. Die Vermittlung mehr unterrichtspraktisch definierter Kompetenzen ist hingegen vor allem Aufgabe des Vorbereitungsdienstes; zahlreiche Grundlagen dafür werden aber schon im Studium gelegt bzw. angebahnt.

3. Schließlich ist die weitere Entwicklung in der beruflichen Rolle als Lehrerin oder Lehrer Aufgabe der Fort- und Weiterbildung.

Trotz dieser phasenbezogenen Schwerpunktsetzungen ist es notwendig, die Anforderungen an die Lehrerinnen- und Lehrerbildung im Zusammenhang, d.h. über den gesamten Qualifikationszeitraumhinweg und bezogen auf die Erfordernisse der angestrebten kompetenten Berufsausübung, zu betrachten. Daraus leiten sich auch die inhaltlichen Anforderungen an die fachwissenschaftliche und fachdidaktische Ausbildung im Studium ab: Sie muss für die nachfolgenden Bildungsphasen nicht nur anschlussfähig sein, sondern auch auf den Qualifikationserwerb in diesen Phasen einschlägig vorbereiten.

Aus den Empfehlungen zur Lehrerbildung sowie zum Berufsbild, das in der Gemeinsamen Erklärung des Präsidenten der Kultusministerkonferenz und der Vorsitzenden der Lehrerverbände im Oktober 2000 beschrieben worden ist, können folgende fachbezogenen Kompetenzen künftiger Lehrerinnen und Lehrer abgeleitet werden, die vornehmlich im Studium aufzubauen bzw. zu entwickeln sind und die Lehramtsstudierende bei Abschluss ihres Studiums vorweisen können:

2.1 Über anschlussfähiges Fachwissen verfügen

Studienabsolventinnen und –absolventen

- haben ein solides und strukturiertes Fachwissen (Verfügungswissen) zu den grundlegenden Gebieten ihrer Fächer erworben; sie können darauf zurückgreifen und dieses Fachwissen ausbauen;

- verfügen aufgrund ihres Überblickswissen (Orientierungswissen) über den Zugang zu den aktuellen grundlegenden Fragestellungen ihrer Fächer;

- können reflektiertes Wissen über ihre Fächer (Metawissen) einsetzen und auf wichtige ideengeschichtliche und wissenschaftstheoretische Konzepte zurückgreifen;

- können sich aufgrund ihres Einblicks in andere Disziplinen weiteres Fachwissen erschließen und damit fächerübergreifende Qualifikationen entwickeln.

2.2 Über Erkenntnis- und Arbeitsmethoden der Fächer verfügen

Studienabsolventinnen und -absolventen

- sind mit den Erkenntnis- und Arbeitsmethoden ihrer Fächer vertraut;

- sind in der Lage, diese Methoden in zentralen Bereichen ihrer Fächer anzuwenden.

2.3 Über anschlussfähiges fachdidaktisches Wissen verfügen

Studienabsolventinnen und -absolventen

- haben ein solides und strukturiertes Wissen über fachdidaktische Positionen und Strukturierungsansätze und können fachwissenschaftliche Inhalte auf ihre Bildungswirksamkeit hin und unter didaktischen Aspekten analysieren;

- kennen und nutzen Ergebnisse fachdidaktischer und lernpsychologischer Forschung über das Lernen in ihren Fächern;

- kennen die Grundlagen fach- und anforderungsgerechter Leistungsbeurteilung;

- haben fundierte Kenntnisse über Merkmale von Schülerinnen und Schülern, die den Lernerfolg fördern oder hemmen können und wie daraus Lernumgebungen differenziert zu gestalten sind.

Mit dem Vorbereitungsdienst sollen folgende Kompetenzen erreicht werden:

- fachliches Lernen planen und gestalten,

- Komplexität unterrichtlicher Situationen bewältigen,

- Nachhaltigkeit von Lernen fördern,

- fachspezifische Leistungsbeurteilung beherrschen.

Schließlich sollen sich Lehrerinnen und Lehrer durch Fort- und Weiterbildung fachlich und persönlich in der Rolle als Lehrerin bzw. Lehrer weiterentwickeln.

 

3. Die Fachprofile

Die Fachprofile umfassen die Beschreibung der im Studium zu erreichenden Kompetenzen sowie die dazu notwendigen einzelnen inhaltlichen Schwerpunkte. Generell, d.h. über alle Fachprofile hinweg, gelten folgende Anforderungen:

- Einführungen in das Studienfach werden in den einzelnen Fachprofilen zwar nicht genannt, sie gehören gleichwohl in das Curriculum jedes Studienfachs.

- Die Gliederungen der Studieninhalte in einzelne Bereiche sind nicht als Abgrenzungen oder Gliederung in einzelne Lehrveranstaltungen zu verstehen. Die Zuordnung von Inhalten zu Veranstaltungen ist in Studien­plänen zu treffen. Teilweise dürften hier Differenzierungen nach Lehrämtern und Schulformen sinnvoll sein.

- Die Umsetzung der inhaltlichen Vorgaben in Studienpläne und Lehrveranstaltungen bedeutet nicht, dass durchgängig eigene lehramtsbezogene Lehrveranstaltungen anzubieten sind. Zwar erfordern das Zwei-Fach-Studium und die spezifischen Anforderungen, die die Schule stellt, dass gewisse Teile des lehramtsbezogenen Studiums auf dieses Studienziel hin konzipiert werden muss, also ein Lehramtsstudium sui generis bilden. Dies betrifft aber nicht das gesamte Studium: Es ist davon auszugehen, dass - von Fach zu Fach unterschiedlich - größere Bereiche des lehramtsbezogenen fachwissenschaftlichen Lehrangebots Teil des Studienangebotes eines Faches insgesamt sind. Dies muss allerdings von den Universitäten im Einzelnen ausgewiesen werden.

- Die zusätzlichen Inhalte für das Lehramt an Gymnasien in der Sekundarstufe II sind zum großen Teil Vertiefungen für die beim Lehramt in der Sekundarstufe I genannten Inhaltsbereiche, die sich in der Regel durch einen höheren Spezialisierungs-, Komplexitäts- und Abstraktionsgrad sowie eine stärkere Forschungsorientierung auszeichnen.

- Eine Aufgliederung zwischen den Inhalten für die Lehrämter der Sekundarstufe I und denen der Sekundarstufe II ist selbstverständlich in den Fächern nicht vorgesehen, die nur im Lehramt an Gymnasien vorkommen (z.B. Alte Sprachen).

- Bei den Studieninhalten zur jeweiligen Didaktik eines Faches wird in der Regel nicht zwischen beiden Sekundarstufen unterschieden.

- Den meisten Fachprofilen werden wichtige konzeptionelle Grundlagen für das Studium vorangestellt, weil sie wesentliche Begründungen für die Ausgestaltung der Fachprofile enthalten oder die besonderen Anforderungen an das lehramtsbezogene Studium herausstellen, begründen und damit teilweise auch fächerübergreifende Bezüge für das Lehramt herstellen. Mit Bezug auf diese Dokumente lassen sich aus den Fachprofilen teilweise auch Qualifikationsansätze für fächerübergreifenden Fachunterricht ableiten.

 

Nachfolgend sind die Profile folgender Fächer dargelegt:

1. Alte Sprachen

2. Arbeit, Technik, Wirtschaft

3. Bildende Kunst

4. Biologie

5. Chemie

6. Deutsch

7. Geographie

8. Geschichte

9. Informatik

10. Mathematik

11. Musik

12. Neue Fremdsprachen

13. Philosophie

14. Physik

15. Evangelische Religionslehre

16. Katholische Religionslehre

17. Sozialkunde/Politik/Wirtschaft

18. Sport

19. Grundschulbildung

20. Sonderpädagogik

[…]

 

13. Philosophie

13.1 Fachspezifisches Kompetenzprofil

Die Studienabsolventen und -absolventinnen verfügen über die fachphilosophischen und philosophiedidaktischen Kompetenzen, um Vermittlungs-, Lern- und Bildungsprozesse im Fach Philosophie bzw. affinen Fächern in den einzelnen Ländern zu initiieren und zu gestalten. Sie

- verfügen über strukturiertes und ausbaufähiges Grundwissen über die Epochen und Disziplinen der Philosophie sowohl im Überblick wie in exemplarischen Vertiefungen;

- beherrschen die Methoden und Arbeitstechniken des Faches;

- sind in der Lage, eigenständig, konsistent und argumentativ schlüssig zu urteilen und Urteilsfähigkeit zu fördern;

- haben erste reflektierte Erfahrungen darin, philosophische Bildungsprozesse zu planen, anzuleiten und zu moderieren;

- können fachwissenschaftliche Denkmuster auf lebensweltliche Fragehorizonte beziehen und dabei das Reflexionspotential der Philosophie für einen sinn- und wertorientierenden Unterricht nutzen;

- können mit Hilfe philosophischen Orientierungswissens zur Identitätsfindung Heranwachsender beitragen und Angebote zur vertiefenden Klärung gesellschaftlicher Kontroversen unterbreiten;

- verfügen über fachdidaktisches Grundwissen im Hinblick auf das Philosophieren mit Kindern und Jugendlichen,

- verfügen über erste reflektierte Erfahrungen in der kompetenzorientierten Planung und Durchführung von Philosophieunterricht und kennen Grundlagen der Leistungsdiagnose und -beurteilung im Fach.

 

13.2 Studieninhalte

Studium für LÄ der Sek I

erweitert im Studium für LA an Gym / Sek II

Theoretische Philosophie

- Überblick über Positionen und Probleme der Theoretischen Philosophie in Geschichte und Gegenwart.

- Exemplarische Analyse einiger zentraler Themen und Problemstellungen: vor allem Erkenntnisproblem, Rechtfertigung und Begründung, Entwicklung und kulturelle Rolle der Wissenschaften, Wahrheit und Objektivität, Logik und Argumentation, Sein und Denken

- Philosophische Richtungen: Empirismus und Rationalismus, Phänomenologie, Hermeneutik, Pragmatismus, Analytische Philosophie, Konstruktivismus

- Exemplarische Bereiche der Anthropologie und der Naturphilosophie

-Größerer Vertiefungsgrad der für Sek. I genannten Inhaltsbereiche. Dazu:

- Weitere zentrale Themen und Problemstellungen: alte und neue Metaphysik, Begriffe von Geist und Bewusstsein

- Methoden logischer Analyse

Praktische Philosophie

- Überblick über ethische und politische Theorien in Geschichte und Gegenwart

- Exemplarische Analyse einzelner zentraler ethischer Theorien und von Konflikten Angewandter Ethik; übergreifende Problemstellungen: Willensfreiheit und Verantwortlichkeit, Gewissen

- Exemplarische Beschäftigung mit den Grundlagen menschlichen Zusammenlebens in Staat und Gesellschaft: Menschenrechte, Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit

- Normen in pluralistischen Gesellschaften unter dem Einfluss gesellschaftlicher Transformationsprozesse, Fragen nach dem Glück und der Lebenskunst

- Problemen der Religionsphilosophie unter Einbeziehung eines Grundlagenwissens über die Weltreligionen

- Exemplarische Bereiche der Kulturphilosophie und Ästhetik

- Größerer Vertiefungsgrad der für Sek. I genannten Inhaltsbereiche. Dazu:

- Weitere ethische Theorien: Diskurstheorie, Frage nach einer Letztbegründung ethischer Normen

- Grundlegende Theorien des menschlichen Zusammenlebens in Staat und Gesellschaft: Rawls, Kommunitarismus

Fachdidaktik

- Theorien philosophischer Bildung und fachdidaktischer Ansätze mit Würdigung von Konzepten des Philosophierens mit Kindern und Jugendlichen und unter Einbeziehung von Kenntnissen der Entwicklungspsychologie

- Überblick über Unterrichtsformen, Methoden, Schulbücher, Medien unter Einbeziehung des Spektrums nicht primär textinterpretierender Methoden

- Exemplarisches Gestalten von Unterricht und zielgruppengerechte Erschließung relevanter Problemstellungen;

- Sozialwissenschaftliches, kulturreflexives und religionskundliches Kontextwissen bei der Gestaltung von Bildungsprozessen in ethnisch und religions- / weltanschaulich heterogen geprägten Lerngruppen

- Reflexion gesellschaftlicher Gestaltungsmöglichkeiten und -notwendigkeiten philosophischer Bildung