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Promotionsprojekt Friedbert Holz


Die Entwicklung des Bildungsauftrages der Musikschulen von ca. 1800 bis heute. Aufgezeigt am Beispiel der Stuttgarter Musikschule.


Die Idee zu dem Projekt ist aus der beruflichen Praxis eines stellvertretenden Musikschulleiters entstanden – oder, um es mit den Worten von Reinhart von Gutzeit, ehemals Vorsitzender des Verbandes deutscher Musikschulen (VdM), zu sagen: „Solange ich mit Musikschulen zu tun habe, beobachte ich den Versuch und beteilige mich daran, die Musikschulen in der Gesellschaft klarer zu positionieren. Wo gehören sie hin? Schule? Jugend? Kultur? Erziehung? Bildung? Freizeitmarkt? Geht es um die Sache selbst – um die Musik und die musikalischen Fertigkeiten? Oder geht es um „Transfer“ – die berühmten „Schlüsselqualifikationen“? Geht es darum, dass Musik klüger macht (??), konzentrierter, leistungsorientierter und sozialer? Oder geht es – wie die Rheinländer sagen – einfach um den „Spass an der Freud“? Von allem etwas? Aber was steht dann im Vordergrund, was macht das Profil und das Wesen der Musikschule aus? (Neue Musikzeitung, Ausgabe 2000/11).

Es soll gezeigt werden, dass sich der Bildungsauftrag der Musikschulen im Sinne einer historisch begründeten Synthese sowohl quantitativ erweitert als auch qualitativ ausdifferenziert hat. Hieraus erwächst auf bundesweiter Ebene die Notwendigkeit, durch verbindliche gesetzliche Regelungen und Fördervereinbarungen einen öffentlichen Bildungsauftrag der Institution Musikschule formalrechtlich zu bestätigen und in seiner Umsetzung zu garantieren. Die über 150-jährige Geschichte der Stuttgarter Musikschule steht repräsentativ für wesentliche Etappen der Musikschulgeschichte in Deutschland. Der Stuttgarter Musikschule gelingt es heute unter Berücksichtigung der kommunalen und landesspezifischen Besonderheiten, musikalische Breitenarbeit und Begabtenförderung erfolgreich miteinander zu kombinieren. Spezifische Erfolgsfaktoren der Stuttgarter Musikschularbeit sollen im Kontext ihrer historischen Ausprägung als richtungweisend herausgearbeitet werden.Der Untersuchung werden folgende Forschungsfragen zugrunde gelegt:(1) Welche Perspektiven kann eine Betrachtung der historischen Entwicklung des Bildungsauftrages von Musikschulen für die Positionierung der Institution Musikschule im Bildungswesen heute eröffnen? (2) Welche Folgerungen ergeben sich aus einer historisch begründeten Standortbestimmung der Musikschule im Bildungswesen für die Musikschulförderung?(3) Inwieweit steht die Entwicklung der Stuttgarter Musikschule repräsentativ für die allgemeine Musikschulentwicklung?(4) Inwiefern hat die Bildungsarbeit der Stuttgarter Musikschule Vorbildfunktion für andere Musikschulen? Bislang existieren nur zusammenfassende Darstellungen zur Geschichte des Musikschulwesens. Demgegenüber wird bewusst der Ansatz einer exemplarischen Darstellung anhand einer einzelnen Musikschule gewählt, um die historische Entwicklung des Bildungsauftrages der Musikschulen im gesellschaftlichen Kontext möglichst konkret und vertiefend aufzeigen zu können.  Die Anfänge einer institutionellen Musikerziehung im außerschulischen Bereich gehen in Deutschland auf den Beginn des 19. Jahrhunderts zurück. Am Beispiel der historischen Entwicklung der Stuttgarter Musikschule wird deutlich, durch welche Faktoren Bestrebungen, Bildungsarbeit von Musikschulen als öffentliche Aufgabe zu etablieren, immer wieder erschwert wurden: Geldmangel, instabile politische und wirtschaftliche Verhältnisse, gesellschaftliche Umbrüche, eine erst schrittweise einsetzende Professionalisierung der Musikerziehung, eingeschränkte Zugangsoffenheit der musikalischen Bildung für bestimmte gesellschaftliche Schichten, sowie ideologischer Missbrauch der Musikerziehung. Erst mit einem in quantitativer und qualitativer Hinsicht einmaligen Aufschwung, den das neu geordnete Musikschulwesen im Verband deutscher Musikschulen in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts genommen hat, ist eine Situation eingetreten, die eine flächendeckende Musikschulversorgung für breite Bevölkerungsschichten realisierbar erscheinen lässt. Diskussionen um die Zukunftsperspektiven der Institution Musikschule dürfen indes nicht auf eine bloße Verteilungsproblematik öffentlicher Fördermittel reduziert werden. Im Kern muss  es darum gehen, die Leistungen einer mehr als 200-jährigen Aufbauarbeit im Bereich der musikalischen Bildung öffentlich zugänglich zu halten.

Ansprechpartner:

Friedbert Holz, Im unteren Kienle 4a, 70184 Stuttgart