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Schulkultur, Geschlechtersegregation und Mädchensozialisation

Projektstart: 01.06.2002
Projektträger: DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft)
Projektverantwortung vor Ort: Prof. Dr. Herwartz-Emden
Beteiligte Wissenschaftler der Universität Augsburg: Prof. Dr. Anthony Unwin
Dipl. Soz. Wiebke Waburg
Beteiligte Wissenschaftler / Kooperationen: Prof. Dr. Eva Breitenbach
PD Dr. Ursula Kessels
Prof. Dr. Kristina Reiss

Zusammenfassung

Die Studie "Schulkultur, Geschlechtersegregation und Mädchensozialisation" wird seit 2002 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert und ist an das Forschungsschwerpunktprogramm "Bildungsqualität von Schule: Fachliches und fächerübergreifendes Lernen im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht in Abhängigkeit von schulischen und außerschulischen Kontexten" (BIQUA) assoziiert. Das Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Leonie Herwartz-Emden setzt sich zusammen aus den beiden Mitarbeiterinnen Verena Schurt (Dipl. Päd.) und Wiebke Waburg (Dipl. Soz.) sowie studentischen Hilfskräften (Studienrichtungen [Elementar-]Pädagogik; rechnerorientierte Statistik und Datenanalyse). Das Forschungsinteresse der Studie zielt auf die Qualität der Geschlechtersozialisation auf verschiedenen Ebenen der monoedukativen Schule, die insbesondere in bayerischen Großstädten noch als regulärer Schultypus gilt. Im Zentrum der Untersuchung, die an ausgewählten monoedukativen und koedukativen Gymnasien und Realschulen durchgeführt wird, steht die Frage nach den Erfahrungen adoleszenter Mädchen im Sozialisationskontext einer monoedukativen Schule und den Auswirkungen des Mädchenschulbesuchs auf psychische und psychosomatische Merkmale, Verhaltensweisen, Interaktionen sowie kollektive Orientierungen der Schülerinnen.

Beschreibung

Nach der fast vollständigen Umsetzung der Koedukation in Deutschland und mehr als dreißig Jahren Erfahrung mit dieser Organisationsform, wird im Projekt danach gefragt, was die Mädchenschule zur Mädchenschule macht und welche Qualitätsmerkmale eine ‚gute’ Mädchenschule auszeichnen.

Die zusammenhängende Fragestellung ist die Frage nach der Ausrichtung und Qualität der Geschlechtersozialisation auf verschiedenen Ebenen der monoedukativen Schule – in den Intentionen und Bildungszielen der einzelnen Mädchenschulen, im Unterricht und der alltäglichen schulischen Praxis, auf der Ebene der kollektiven Orientierungen und – mit Fokus auf die Einstellungen und Erfahrungen der Mädchen – auf der Schülerinnenebene.

Die Untersuchung erfolgt in einem komplex angelegten Design in zwei qualitativen Forschungslinien

  • Die erste Forschungslinie fokussiert auf (1) den Kontext der geschlechtersegregierten Schule und die alltägliche schulische Praxis in Bezug auf Thematisierungen/De-Thematisierungen von Geschlecht sowie (2) die handlungspraktische Ebene des Unterrichts bezüglich der Interaktionen zwischen den Schülerinnen und mit ihren Lehrkräften in den ‚männlich’ konnotierten Schulfächern Mathematik und Physik.

  • In der zweiten Forschungslinie stehen die kollektiven Orientierungen von Mädchenschulschülerinnen im Zusammenhang mit (1) dem Erleben/den Erfahrungen in der Mädchenschule an sich (bezogen auf den Unterricht, die Klassengemeinschaft, Beziehungen untereinander und zu den Lehrkräften etc.), (2) der Peer-Group und (3) den Entwicklungsaufgaben der weiblichen Adoleszenz im Fokus.

Die beiden qualitativen Forschungsstränge werden durch eine breit angelegte, schriftliche Basisbefragung komplementiert. Das Interesse zielt in dieser dritten Forschungslinie vorrangig auf die schulischen Erfahrungen und Einschätzungen der Mädchen sowie ausgewählte Merkmale auf Schülerinnenebene – in Deutsch als ‚Mädchenfach’ und Mathematik sowie insbesondere Physik als ‚Jungenfächern’ sowie in Bezug auf das ‚Befinden’ der Schülerinnen im monoedukativen Kontext insgesamt.

Die komplexe Anlage der Studie ermöglicht erstens einen Überblick über systematisch auftretende Unterschiede zwischen den von uns untersuchten Mädchenschulen, zweitens eine Kontrastierung mono- und koedukativer Einrichtungen und – damit zusammenhängend – drittens einen Vergleich zwischen Mädchenschulschülerinnen und Schülerinnen gemischtgeschlechtlicher Schulen. Von den zu erzielenden Forschungsergebnissen wird, über die Mädchenschule hinaus, ein empirisch begründeter Erkenntnisgewinn über die Bildungsbedürfnisse und -situation von Mädchen erwartet – so dass sich Impulse für die zukünftige Schulentwicklung ergeben.