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Das alte Schulbuch als das neue Leitmedium?
Tagung in Ichenhausen fragt nach dem Stellenwert der digitalen Bildungsmedien

Das Angebot an digitalen Bildungsmedien ist in kurzer Zeit stark angestiegen und spielt bei der Unterrichtsvorbereitung der Lehrer (und Schüler) eine wachsende Rolle. Aber dieses Angebot ist wegen fehlender Strukturen und Gütekriterien unübersichtlich, und die Nutzung digitaler Bildungsmedien im Unterricht selbst ist erst recht entwicklungsfähig. Diesen Zustand beleuchtete die Tagung "Digitale Bildungsmedien" der Internationalen Gesellschaft für historische und systematische Schulbuchforschung e.V. vom 28. bis 30. September 2012 im Bayerischen Schulmuseum in Ichenhausen. 

Naturgemäß war eine zentrale Frage die künftige Rolle des gedruckten Schulbuchs im Vergleich zu den medialen "Aufsteigern", den digitalen Schulbüchern sowie anderen digitalen Medien. Bislang gibt es dazu offenbar nirgendwo belastbare Erfahrungswerte, auch nicht aus Vorreiter-Ländern wie Südkorea, den USA, Norwegen oder Estland. Das hängt auch damit zusammen, dass sich noch keine überzeugenden Geschäftsmodelle herauskristallisiert haben, die von der Lehrerschaft angenommen werden. Die Angebote der Schulbuchverlage bieten Qualitätsgarantien, errichten aber durch den Preis eine hohe Einstiegsbarriere. Die kostenlosen Angebote von Plattformen, Einzelpersonen, Interessenverbänden und Firmen werden zwar eher genutzt, stehen aber unter dem Verdacht von Unzuverlässigkeit und Einseitigkeit. 

Deutlich wurde auch, dass mit dem Oberbegriff "digitale Bildungsmedien" ein sehr heterogener Gegenstand erfasst wird. Oft werden nur längst vertraute Unterrichtsmittel wie Arbeitsblätter oder Filme über das Internet, also digital, verbreitet. Und auch die vermeintlich digitalen Schulbücher nutzen die vielfältigen Möglichkeiten der Verknüpfung von unterschiedlichen medialen Inhalten sowie Offline- und Online-Inhalten kaum. 

Langfristig allerdings dürfte sich nach Meinung vieler Tagungsteilnehmer eine neue Mischung der Medien in der Unterrichtspraxis durchsetzen, bei der mehr Medien differenziert zum Einsatz kommen, im Interesse von individualisiertem UND sozialem Lernen. Diese Entwicklung könnte dem klassischen Schulbuch zugutekommen, wenn es sich als das Leitmedium mit Orientierungsfunktion profiliert.
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