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Mehrsprachigkeit als Chance
Schulbuchforscher tagten im dreisprachigen Südtirol

Mehrsprachigkeit ist kein Sonderfall, sondern die Regel. Diese Erkenntnis verbreitete sich bei der Tagung "Mehrsprachigkeit und Schulbuch" vom 22. bis 24. September 2011 an der Freien Universität Bozen in Brixen-Bressanone (Südtirol). Schulbuchforscher aus vielen Ländern leisteten ihren Beitrag zu dieser Erkenntnis. Als mehrsprachig kann man Menschen nicht nur bezeichnen, wenn sie in der Schule Fremdsprachen lernen oder neben der Landessprache eine weitere Sprache als Muttersprache im Elternhaus erwerben. Mehrsprachig im erweiterten Sinne ist man schon dadurch, dass man im Alltag zwischen Dialekt und Standardsprache oder zwischen Umgangssprache und Bildungssprache wechselt. Und mehrsprachig wird man in der Schule auch dadurch, dass man die Fachsprachen von Mathematik und Biologie erlernt. 

Das Schulbuch leistet einen wichtigen Beitrag dazu, dass Mehrsprachigkeit sich entfalten kann und dem Lerner als Gewinn deutlich wird. Besonders sichtbar wird der Zugewinn durch Mehrsprachigkeit, wenn Schulbücher in mehr als einer Sprache erscheinen. Das geschieht systematisch in der dreisprachigen autonomen Provinz Bozen – Alto Adige, der Tagungsregion, sowie in dem dreisprachigen Kanton Graubünden in der Schweiz. Es geschieht als politischer und didaktischer Willensakt beim deutsch-französischen Geschichtsbuch der Verlage Klett und Nathan. 

Sobald derselbe fachliche Gegenstand in zwei Sprachen dargestellt wird, treten zwei Weltsichten und zwei Lernkulturen in Konkurrenz zueinander und müssen versöhnt werden, um ein einheitliches Gesamtprodukt zu schaffen. Das ist ein Lernprozess für die Schulbuchmacher, dessen Ergebnis als neue Sicht auf den fachlichen Gegenstand von den jungen und weniger jungen Lesern wahrgenommen wird. 

Die Tagung in Brixen-Bressanone bot neben Vorträgen zu vielfältigen Aspekten von Mehrsprachigkeit im Schulbuch auch eine kleine Ausstellung zu mehrsprachigen Fibeln und Erstlesebüchern aus Europa und Amerika und machte so Mehrsprachigkeit in seiner elementarsten Form greifbar. Die Ausstellung, organisiert von der Arbeitsgruppe Fibeln, ist noch bis 21. Oktober 2011 im Schauraum des Forschungs- und Dokumentationszentrums zur Südtiroler Schulgeschichte im Brixner Missionshaus zu sehen.
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