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Operatoren und Kompetenzen im Blick
Ichenhausen-Tagung zu Aufgaben im Schulbuch

Die diesjährige Tagung der Internationalen Gesellschaft für historische und systematische Schulbuchforschung vom 30. September bis zum 2. Oktober 2010 im Bayerischen Schulbuchmuseum in Ichenhausen war Aufgaben im Schulbuch auf der Spur. Da sie die Brücke vom Schulbuch in den Unterricht bilden, war in den Vorträgen und Diskussionen besonders viel von dem Spannungsverhältnis zwischen Buch-Vorlage und unterrichtlicher Nutzung die Rede. 

Der "textbook teacher" als impliziter Lehrer des Schulbuchs suggeriert dem realen "classroom teacher" mit seinen Aufgabenvorschlägen Unterrichtssituationen und Lernabläufe, die dieser dankbar aufgreift oder irritiert verwirft. Dabei variieren Umfang und Art der Aufgaben nach Fach, Bundesland, Erscheinungsjahr, Verlag und Autor. Zugleich werden sie durch Vorgaben wie Bildungsstandards und den gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen zunehmend normiert, was sich unter anderem in den für die verschiedenen Niveaustufen bzw. Anforderungsbereichen typischen Operatoren (nenne – erkläre – nimm Stellung) niederschlägt. 

Generell scheinen die Aufgaben im Schulbuch an Bedeutung zu gewinnen. Dies führt zwangsläufig zu umfangreicheren Schulbüchern oder einer Reduzierung von Texten und Dokumenten - es sei denn, die Aufgaben wandern ganz oder überwiegend in die begleitenden Verbrauchsmaterialien für die Schülerhand. Wie man bei der Tagung erfuhr, gibt es in einem verbreiteten Schweizer Mehrjahres-Deutschbuch gar keine Aufgaben mehr. Der Schüler findet sie stattdessen in einem begleitenden Arbeitsbuch. 

Sollte sich diese Trennung von Darstellung und Aufgaben verstärkt durchsetzen, böte sie geschlossenen Aufgabenformaten eine bessere Entfaltungsmöglichkeit. Bisher fielen die von Assessments und Vergleichsarbeiten bekannten Ankreuz-Aufgaben dem schulischen Reinschreib-Verbot zum Opfer. Wer aber sein Arbeitsbuch als "Verbrauchsmaterial" selbst kauft, der darf reinschreiben und sich damit die Inhalte aktiv aneignen. 

Die Vorträge der Tagung betrachteten Aufgaben jedoch nicht nur unter didaktischem Blickwinkel, sondern auch als Spiegel gesellschaftlicher Rahmenbedingungen und vorherrschender Denkweisen. Beispiele waren Aufgaben zur Evolutionstheorie im Biologiebuch des späten 19. Jahrhunderts und zum Holocaust in heutigen Unterrichtsmaterialien. 
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