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Wo bleibt die andere Seite der Medaille?
Tagung in Belgrad analysiert Feindbilder

Feindbilder sind kein rein historisches Thema. Das zeigte sich vom 1. bis 3. Oktober 2009 bei der 13. Jahrestagung der Internationalen Gesellschaft für historische und systematische Schulbuchforschung an der Philosophischen Fakultät der Universität Belgrad, die sich Freund- und Feindbildern in Schulbüchern widmete. In Israel/Palästina, in Armenien und in Serbien beispielsweise sind sie im öffentlichen Meinungsbild und auch in Schulbüchern noch gut erkennbar, wie aus Vorträgen der Tagung zu entnehmen war. Viele andere Vorträge beschäftigten sich mit Freund- und Feindbildern vergangener Epochen, zum Beispiel aus der Zeit des Naziregimes und der deutschen Teilung. Zum Programm

Zu Beginn der Tagung, die von einem jungen Team unter Leitung von Arsen Djurović organisiert worden war, lieferten zwei Einführungsvorträge einen theoretischen Bezugsrahmen, der in den Diskussionen mehrfach aufgegriffen wurde. Peter Menck (Siegen) forderte eine dialektische Darstellung historischer Gegenstände als didaktisches Prinzip für Schulbücher, damit die Schüler die "andere Seite der Medaille" kennen lernen und das Schwarzweiß-Denken der Freund-Feind-Bilder vermeiden. Max Liedtke (Erlangen-Nürnberg) beschrieb die Überwindung des Freund-Feind-Denkens als Kulturleistung, die dem natürlichen Egoismus immer wieder durch erzieherische Anstrengung abgetrotzt werden muss. 

Neben den Vorträgen und Diskussionen trug auch das Begleitprogramm zur Tagung dazu bei, dass zwischen den Teilnehmern aus vielen, vor allem europäischen Ländern eine freundschaftlich-herzliche Atmosphäre entstand und Feindbilder, sofern überhaupt vorhanden, keine Überlebenschance hatten. An eine lebendige Führung durch das traditionsreiche Pädagogische Museum schloss sich ein musikalisch umrahmtes Abendessen mit Blick auf das Lichtermeer der serbischen Hauptstadt an.

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