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Elementarisierung im Schulbuch

6. bis 7. Oktober 2006, "Bayerisches Schulmuseum Ichenhausen"

Konzeption
Die Auswahl und Aufbereitung von Unterrichtsinhalten ist ein Schwerpunkt der didaktischen Reflexion in Wissenschaft und Praxis und hat die Pädagogen immer wieder intensiv beschäftigt. Dabei wurde vor allem drei Fragen nachgegangen: a) Welche Unterrichtsinhalte sind so grundlegend und elementar, um sie in den Lehrplan aufzunehmen? b) Welche theoretischen Begründungen liegen dieser Auswahl zugrunde? c) Wie lassen sich die Unterrichtsinhalte so elementarisieren und vereinfachen, dass sie von Kindern und Jugendlichen sowie von Erwachsenen vor dem Hintergrund der jeweiligen spezifischen Aneignungsvoraussetzungen verstanden und in die eigenen Denkstrukturen integriert werden können?

In der Erziehungswissenschaft wurden hierzu verschiedene Verfahren entwickelt und kontroverse Diskussionen geführt. Wolfgang Klafkis Theorie des Elementaren und seine darauf basierende "Didaktische Analyse" sowie Martin Wagenscheins „Exemplarisches Prinzip“ haben in den 60er Jahren in der Bundesrepublik Deutschland entscheidende Anstöße gegeben (vgl. Klafki 1959, 1963; Wagenschein 1968). Wenngleich dieser Bereich in der wissenschaftlichen Diskussion somit nicht mehr als "terra incognita" bezeichnet werden kann (Rumpf 1984/ 1968), lässt sich jedoch nicht feststellen, dass nach zwischenzeitlich intensiveren Auseinandersetzungen (vgl. u. a. Gerner 1972; Kahlke/ Kath 1984; Aschersleben 1993) die Thematik in aktuellen Forschungsprozessen angemessen berücksichtigt würde.

Besonders deutlich wird die Herausforderung der Elementarisierung sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht in den Schulbüchern. Schulbücher vertreten bzw. ergänzen neben anderen Unterrichtsmedien den Unterrichtsgegenstand (vgl. Glöckel 2003, S. 45). "The word ‘textbook’ or ‘book of texts’ denotes its most important function – to represent information" (Mikk 2000, S. 17). Im Zuge der Pädagogisierung der Lehrmittel (vgl. Depaepe et al. 2000, S. 243) wurde die zielgruppenspezifische Vereinfachung des dargebotenen Unterrichtsstoffes zu einem konstitutiven Merkmal des Schulbuches. Zu diesem Prozess liegen kaum Untersuchungen vor.

Folgende Fragestellungen sollten u. a. die Tagung leiten:
Wie wird das jeweilige Schulbuchwissen generiert? Welche Prinzipien und Verfahren der didaktischen Reduktion werden in quantitativer und qualitativer Hinsicht verwendet? Welchen Einfluß haben der wissenschaftliche und der gesellschaftliche Diskurs auf Verfahren der Elementarisierung? Wird das eigene Verfahren reflektiert? Ist die jeweilige Elementarisierung dem Unterrichtsstoff sowie der jeweiligen Zielgruppe angemessen? Gibt es Grenzen der Elementarisierung? Lassen sich Qualitätskriterien für gelungene didaktische Reduktionen entwickeln?

Für die Tagung waren in international vergleichender Perspektive sowohl historische, historisch-systematische als auch aktuelle Zugänge zur Thematik erwünscht, u. a.:
  • Untersuchungen für einzelne historische Epochen (z.B. "Zu Verfahren der didaktischen Reduktion in reformpädagogischen Schulbüchern");
  • unter einer disziplingeschichtlichen Perspektive Untersuchungen mit der Berücksichtigung spezieller pädagogischer Strömungen und Konzeptionen (z.B. "Das herbartianische Prinzip der Kulturstufen als Verfahren der didaktischen Reduktion")
  • unter einer eher fachdidaktischen oder eher fachwissenschaftlichen Perspektive Beiträge über Möglichkeiten und Grenzen der Elementarisierung, Vereinfachung, der didaktischen Reduktion am Beispiel von Unterrichtsthemen in einzelnen Unterrichtsfächern.

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