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Das Schulbuch zwischen Lehrplan und Unterrichtspraxis

Internationale Gesellschaft für historische und systematische Schulbuchforschung e.V.

Bayerisches Schulmuseum Ichenhausen, 1. bis 3. Oktober 2004

Tagungskonzeption

Das Schulbuch ist in seiner Mehrdimensionalität als "Politicum", "Informatorium" und "Paedagogicum" (Stein 2001) vielfältigen heterogenen Interessen ausgesetzt und stellt das Ergebnis eines vielschichtigen Aushandlungsprozesses dar. Thomas Höhne hat das "soziale Feld, auf dem die Auseinandersetzungen um das Schulbuch stattfinden", als "Diskursarena" beschrieben (Höhne 2003, S.65) und das Schulbuch im Ergebnis dieses Vermittlungsprozesses – in Anknüpfung an Stein – als "Konstruktorium" charakterisiert (ebd., S.18). Höhne sieht das Schulbuch nicht mehr nur als pädagogisches Leitmedium für den Unterricht, sondern als intermedial verknüpften "Träger eines spezifischen, kontrollierten, dominanten und sozial-institutionell approbierten Wissens einer nationalsprachlichen Gesellschaft" (ebd. S.74). Unter dieser Perspektive wird das Schulbuch zum Indikator gesellschaftlicher Veränderungsprozesse.
Die Anforderungen an das Schulbuch im Hinblick auf seine Kontroll- und Steuerungsfunktion und die Erwartungen an die Wirkungen in der Unterrichtspraxis sind hoch. Dies ist verständlich, da "Lehrmittel und nicht Lehrpläne [...] die wesentliche Steuerungsgrösse von Unterricht" sind (Tröhler/ Oelkers 2001, S.8), allerdings immer vermittelt durch die jeweilige Lehrkraft. Das Schulbuch kann in Kombination mit anderen Quellen (pädagogisch-didaktische Zeitschriften, Lehrpläne, Schulhefte, Schulinventar u.a.) Auskunft über die Intentionen schulischer Bildungsprozesse (vgl. Andresen 2003, S.96), aber auch Einblicke in die Unterrichtswirklichkeit geben (vgl. Depaepe/ Simon 2003). Dabei sind jedoch die Grenzen der Lehrmittel zu berücksichtigen. Die Vorstellung, "das Lernen folge dem Lehren gleichsinnig", erweist sich nicht selten als Illusion (Oelkers 2001, S.116).

Mit der diesjährigen Tagung knüpfte die "Internationale Gesellschaft für historische und systematische Schulbuchforschung" an die Themen der vorangegangenen Jahrestagungen "Didaktische Innovationen im Schulbuch" (vgl. Matthes/ Heinze 2003) und "Kulturelle Integration durch das Schulbuch? Die Auseinandersetzung mit dem Fremden" (Tagungsband in Vorbereitung) an. Unter Berücksichtigung des oben erläuterten Bedingungsgefüges sollten die wechselseitigen Beeinflussungsprozesse zwischen dem Curriculum, dem Schulbuch und der Unterrichtspraxis im Zentrum der Betrachtungen stehen. Für die Tagung ergaben sich u.a. folgende leitenden Fragestellungen:
Welchen Einwirkungen ist das Schulbuch während seines Herstellungsprozesses unterworfen? Welche gesellschaftlichen Diskurse spiegeln sich im Schulbuchwissen wider? (vgl. Höhne 2003). An welches Wissen schließt sich das Schulbuchwissen an? (vgl. ebd.). Trägt das Schulbuch zur Kanonisierung von Wissen bei? Wie lernen Schulbücher? (vgl. Oelkers 2001). Wie organisiert sich der Lernprozess von Schulbüchern? Welche Auswirkungen haben Schulbücher auf die Binnenstruktur des Unterrichts? Welchen didaktischen bzw. methodischen Prämissen folgen die Schulbücher? Welche Ziele werden mit der Einführung eines Schulbuches verfolgt (Kontroll- und Steuerungsfunktion)? Wie lassen sich die Wirkungen von Schulbüchern forschungspraktisch untersuchen?
Bei den einzelnen Beiträgen sollten sowohl methodologische als auch schulbuchtheoretische Aspekte reflektiert werden.

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