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Die Auseinandersetzung mit dem Fremden

Internationale Gesellschaft für historische und systematische Schulbuchforschung e.V.

Bayerisches Schulmuseum Ichenhausen: 28. und 29. September 2003

Konzeption
Das Fremde erhält seine Sinnzuschreibung über die Kategorien Zugehörigkeit und Vertrautheit, zu denen es im Gegensatz steht. "Vor der Erkenntnis richtet sich auf das Fremde der Affekt, und zwar zunächst der negative Affekt" (Landmann 1975 [1969], S. 180). In dem Ausloten von Gleichförmigkeit und Differenz entsteht ein kulturelles Konstrukt von Fremdheit, als eine „die eigene Identität herausfordernde Erfahrung“ (Schäffter 1991, S. 12). Die Begegnung mit dem Fremden führt in der Betonung der Differenzen einerseits zu Abgrenzungs- und Ausgrenzungsprozessen – bis hin zur Feindschaft (vgl. Brumlik 1993), andererseits in dem Erkennen von Gemeinsamkeiten zu Prozessen des Verstehens und zur Entwicklung von "Kulturtechniken des Umgangs mit und Verstehens von Fremdheit" (Assmann 1996, S. 77, vgl. Lenzen 1991). Diese Kulturtechniken faßt Assmann mit dem Begriff der "Übersetzung" zusammen.

In diesem Zusammenhang kommt dem Schulbuch eine bedeutende Rolle zu. Es stellen sich u.a. folgende Fragen: Welches kulturelle Konstrukt von Fremdheit liegt dem Schulbuch zugrunde? Welche Differenzerfahrungen bestimmen die Darstellung im Schulbuch? Erscheint das Fremde z.B. "als das Auswärtige", "als Fremdartiges", "im Kontrast zum Eigenartigen und Normalen", "als das noch Unbekannte", "als das letztlich Unerkennbare" oder "als das Unheimliche" (Schäffter 1991, S. 14)? Welche Deutungsmuster von Fremdheit werden im Schulbuch angeboten (vgl. Schäffter 1991)? Welche Gesellschaftskonzeptionen korrespondieren damit? Inwiefern dienen diese Deutungsmuster der Begründung/Legitimierung der eigenen Identität? Inwieweit wirken gesellschaftliche Diskurse zur Thematik auf die Gestaltung des Schulbuches? Wird im Schulbuch die Entfremdung mit dem Eigenen reflektiert? Werden in Schulbüchern "Kulturtechniken" des Umgangs mit Fremdheit und des Verstehens von Fremdheit vermittelt und wenn ja, welche didaktischen Konzeptionen werden verwendet?
Berücksichtigt werden soll das Fremde sowohl in der sachlichen als auch in der personalen Dimension (vgl. Benner 1999).

Programm

Sonntag, 28.09.2003
13.00 Uhr
Eva Matthes
Begrüßung und Präsentation der neuen Reihe „Beiträge zur historischen und systematischen Schulbuchforschung"

13.30 Uhr
Eva Matthes (Augsburg)
Die Vermittlung von Stereotypen und Feindbildern in Schulbüchern – allgemeine Überlegungen und ausgewählte Beispiele anhand der Darstellung der Schwarzafrikaner in deutschen Geographieschulbüchern vom Wilhelminischen Kaiserreich bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts – ein Werkstattbericht

14.05 Uhr
Karin Guggeis (München)
Der Mohr hat seine Schuldigkeit noch nicht getan. Afrikanische Bevölkerungsgruppen in aktuellen deutschen Erdkundeschulbüchern

16.00 Uhr
Felix Bürchler (Zürich)
"...zur 2ten, 3ten, 4ten, 5ten, 6ten und 7ten Auflage". Kontext und Kontinuität eines Geographielehrmittels im 19. Jahrhundert

17.30 Uhr
Max Liedtke (Nürnberg)
Thematische Museumsführung

Montag, 29.09.2003
9.00 Uhr
Mitgliederversammlung

10.45 Uhr
Konrad Schröder (Augsburg)
Fremde Kulturen im Englischbuch 1680-1980

13.30 Uhr
Honoré Vinck (Lovenjoel, Belgien)
The Whiter the Better. African Colonial Schoolbooks:
A Path to a New Identity

14.45 Uhr
Wendelin Sroka (Berlin)
Wo leben wir? Wie sprechen wir? Wie schreiben wir?
Zur Konstruktion von Identität und Differenz in Erstlesebüchern Russlands und Estlands vom Beginn der 1980er Jahre bis zur Gegenwart

16.30  Uhr
Martin Euringer/ Gertrud Häußler (Eichstätt)
Interkulturelle Werteerziehung im Schulbuch Ethik

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