Michael Philipp
Biobibliographie deutscher Politologen des späten 16. bis frühen 18. Jahrhunderts

Valentin Alberti (1635-1697)

Alberti, lutherisch-orthodoxer Philosoph und Theologe aus Schlesien, war Sohn eines Predigers. In Leipzig, wo er 1653 sein Studium begann, 1656 Magister, 1661 Assessor der philosophischen Fakultät, 1663 bereits Professor der Logik und Metaphysik und 1672 außerordentlicher Professor für Theologie wurde, war Alberti einer der maßgeblichen Vertretern des christlichen Naturrechts (Compendium juris naturae orthodoxae Theologiae conformatum, 1673, 1678) und wichtigster Gegner Pufendorfs. Er war maßgeblich an der Entfernung des Christian Thomasius beteiligt, polemisierte außerdem gegen Katholiken und Pietisten (Spener).

Seine zwischen 1664 und 1692 entstandenen 20 Disputationes politicae, denen eine Reihe von moralphilosophischen Übungsschriften zu identischen Themen hinzugefügt werden könnte, sind von seiner Naturrechtslehre geprägt. Naturrecht und maiestas gelten ihm als göttliche Stiftung; der Staat ist konstruiert aus dem 'göttlichen Recht' des Monarchen, der Politiker orientiert an unerreichbaren Vorbildern (Moses) der Bibel. Bedeutsam sind für ihn konkret die Fragen nach dem Ursprung des Naturrechts (1668), der Theorie des Staates (De immortalite reipublicae, 1675 - vgl. Titelblatt links) und den Verfallsperioden von Reichen und Monarchien (1692), aber auch die Mäßigung seines Regiments (1673) sowie spezielle die Tyrannis (1664); hinzu kommt der Problemkreis der maiestas und ihre Teilung in realem et personalem (1677), wobei er gegen die Lehren der Monarchomachen polemisiert, sowie die Regalien (1671, 1679). Trotz des "institutionellen Gottesgnadentums" war eine beschränkte Monarchie als Staatsform denkbar und ein Widerstandsrecht gegen einen Tyrannen nicht ausgeschlossen. (Dreitzel, Absolutismus und Ständische Verfassung, 85.) In diesen Rahmen fügen sich des weiteren die Erörterungen der Regierungsklugheit, etwa wann simulatio und dissimulatio in regenda et administranda erlaubt seien (1675 - vgl. Titelblatt mitte), und des Notstandsrechts (Quid republicae in casu necessitatis liceat? 1669) sowie des Politicus (1675 - vgl. Titelblatt rechts), und außenpolitische Themen: Mehrfach befaßte sich Alberti mit dem Krieg und Fragen der Verteidigung (1666, 1679; als Disquisitio oder Quaestio moralis zusätzlich 1678 und 1685), der Bündnistreue gegenüber Häretikern (De fide haereticis servanda, 1662) sowie mit der pax aeterna (1669).
Zu ergänzen wären die Politikdisputationen De nummo in genere (1667), De malecontentis in republica eorumque ortu, factis et iuribus (1676) und De ultima negotiorum publicorum analysi in republica (1677).

Quelle: ADB 1, 215f.; DBA 12, 232ff.
Lit.: Schneider, Hans-Peter: Christliches Naturrecht, in: Holzhey, Helmut / Schmidt-Biggemann, Wilhelm (Hg.): Die Philosophie des 17. Jahrhunderts, Band 4: Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, Nord﷓ und Ostmitteleuropa, Basel 2001, 813﷓835, zu Alberti 824f.


zurück zur Liste