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2.23 Aufbau Phil-Ethik LPO 2008


BESt
Bayerisches Ethikstudium
Internet Forum

Projekt des Lehrstuhls für Philosophie/SP Ethik
Prof. Dr. Christian Schröer - 86135 Augsburg

bayerisches-ethikstudium@phil.uni-augsburg.de

 

2 Grundlagen
2.2 Studium des Erweiterungsfachs Philosophie/Ethik für das Lehramt an Gymnasien

2.23 Der Aufbau des Studienfachs Philosophie/Ethiknach der LPO I von 2008

Nach der neuen LPO I von 2008 gliedert sich das Studium des Erweiterungsfachs Philosophie/Ethik in zwei separate Studienabschnitte. Die Inhalte des Studiums sind gegenüber der LPO I von 2002 im Wesentlichen dieselben geblieben.

Der erste Studienabschnitt widmet sich zunächst dem Grundstudium der Philosophie und der philosophischen Ethik und wird mit dem Erwerb eines universitären Leistungsnachweises (ULN) abgeschlossen. Dieser Leistungsnachweis ist als Zulassungsvoraussetzung bei der Meldung zum Staatsexamen vorzulegen. Welche Studien- und Prüfungsleistungen für den Erwerb des ULN zu erbringen sind, ist an den einzelnen Universitäten unterschiedlich geregelt. Die Note des ULN wird nicht in die Gesamtnote des Staatsexamens eingerechnet.

Der zweite Studienabschnitt richtet sich auf die drei Teilgebiete Angewandte Ethik, Religion und Fachdidaktik und wird mit dem Ersten Staatsexamen abgeschlossen. Die Staatsprüfung besteht aus je einer vierstündigen Klausur zu den drei Teilgebieten. Die Klausurthemen werden vom Ministerium zentral gestellt.

Die inhaltlichen Prüfungsanforderungen, die in der LPO I genannt sind, werden in einigen Themenbereichen durch Kernkurrikula genauer bestimmt, die im Amtsblatt der Bayerischen Staatsministerien für Unterricht und Kultus und für Wissenschaft, Forschung und Kunst veröffentlicht werden (aktuelle Fassung: Amtsblatt Nr. 2 vom 16. Februar 2009).

 

Der erste Studienabschnitt: Philosophische Grundlagen und universitärer Leistungsnachweis (ULN)

Das ländergemeinsame Kompetenzprofil für das Fach Philosophie in der Lehramtsausbildung sieht vor, dass die Lehrkräfte über philosophiegeschichtliche, systematische und methodische Grundkenntnisse ihres Fachs verfügen. Von den künftigen Ethiklehrinnen und Ethiklehrern wird erwartet, dass sie sich auf der Grundlage klassischer Werke mit den wichtigsten Begriffen und Themen der philosophischen Ethik soweit vertraut gemacht hat, dass sie insbesondere in den höheren Jahrgangsstufen mit zentralen Quellen und Fragestellungen der ethischen Diskussion sachgerecht umgehen können. Der erste Studienabschnitt gliedert sich in die drei Themengebiete Geschichte der Philosophie, theoretische Philosophie und philosophische Ethik, die an den einzelnen Universitäten mit weithin verschiedenen Akzentuierungen gelehrt und geprüft werden.

1. Geschichte der Philosophie

Das Studium der Philosophiegeschichte dient vornehmlich der Vorbereitung auf eine künftige Lehrtätigkeit im Schulfach Philosophie. Es vermittelt einen ersten Überblick über die wichtigsten Stationen der Geschichte der Philosophie, öffnet den Blick für die Vielfalt philosophischer Themen und Denkweisen und führt an die eigene Lektüre, Analyse und Kritik klassischer philosophischer Texte heran.

2. Drei Disziplinen der theoretischen Philosophie

Zum Grundstudium des Fachs Philosophie/Ethik gehören auch Zugänge zu den systematischen Disziplinen der Philosophie, wobei hier weitgehend eine persönliche Auswahl getroffen werden kann. Erwartet werden Kenntnisse im Überblick aus drei von sieben in der LPO I genannten Disziplingruppen (Sprachphilosophie, Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie/Logik, Philosophie der Technik- und Naturwissenschaften, Philosophische Anthropologie/ Philosophie des Geistes, Sozialphilosophie/ politische Philosophie/ Rechtsphilosophie, Metaphysik/ Ontologie/ Naturphilosophie und Ästhetik/ Philosophie der Kunst).

3. Grundbegriffe und Aufbau philosophischer Ethik auf der Grundlage klassischer Werke

Ein dritter Themenbereich ist den Grundbegriffen und Quellen der abendländischen Ethik gewidmet. In den Prüfungsanforderungen werden acht Schlüsselwerke genannt, in denen wesentliche Grundlagen einer systematischen Ethik ausgeleuchtet werden: Die beiden platonischen Dialoge Gorgias und Der Staat (Politeia) stehen für die Frage nach dem Begriff der sittlichen Handlung, des Guten und der Gerechtigkeit, die Nikomachische Ethik des Aristoteles für die Frage nach den Prinzipien und nach den charakterlichen Bedingungen sittlichen Handelns, Ciceros Schrift Über die Pflichten (De officiis) für den nachhaltigen Einfluss des lateinischen Altertums auf die politische Ethik der Aufklärung, der Anfang der allgemeinen Ethik des Thomas von Aquin (Summe der Theologie I-II 1-21) für den vollständigsten handlungstheoretischen Traktat der Philosophiegeschichte, Kants Grundlegung zur Metaphysik der Sittensowie dessen Kritik der praktischen Vernunftfür die kontinentaleuropäischen und Mills Utilitarismus für die angelsächsischen Hauptrichtungen einer modernen normativen Ethik.

 

Der zweite Studienabschnitt: Praxisbezug und Staatsexamen

Der zweite Studienabschnitt dient der Vorbereitung auf die Klausuren der Ersten Staatsprüfung. Die Studieninhalte lenken den Blick nun insbesondere auf die gesellschaftliche, religiöse und schulische Praxis. Die drei Prüfungen beziehen sich dementsprechend auf diese drei Themengebiete.

4. Angewandte Ethik

Der Ethikunterricht diskutiert mit den Schülerinnen und Schüler von Anfang an Fragen des Umwelt- und Medienverhaltens und thematisiert in den höheren Jahrgangsstufen Probleme der Bioethik, der medizinischen Ethik und der Wirtschaftsethik. Ein angemessenes Verständnis der ethischer Konflikte setzt heute vielfach auch eine differenzierte Beurteilung menschlichen Handeln im Licht von Natur-, Human-, Sozial- und Technikwissenschaften voraus. Für die Prüfung zur angewandten Ethik wird erwartet, dass man sich in diesem Sinne mit zentralen Problemen in zwei der vier Bereiche Bioethik und Medizinethik, Wirtschaftsethik, Umweltethik/Technikethik oder Medien- und Informationsethik näher befasst hat.

5. Religionsphilosophie und Religionswissenschaft

Der Ethikunterricht soll Kinder und Jugendliche an ein sachgerechtes und respektvolles Verständnis religiöser Lebensformen heranführen. Wer das Fach unterrichtet, sollte daher selbst mit religiösen Grundbegriffen angemessen umgehen können und über Grundkenntnissen der wichtigsten Weltreligionen verfügen.

Das Kernkurrikulum zum religionsphilosophischen Teilbereich dieser Prüfung sieht vor, dass die Absolventinnen und Absolventen in sachgerechter Weise Auskunft geben können zum Verhältnis von Glauben und Wissen, zum Gottesbegriff, zu den klassischen Formen der Gottesbeweise, zu den Grundformen der modernen Religionskritik und zur Theodizeefrage.

Das Kernkurrikulum für den religionswissenschaftlichen Prüfungsteil verlangt vertiefte Kenntnisse über biblische, historische und systematische Grundlagen des Christentums sowie Kenntnisse über das Judentum, den Islam und eine asiatische religiöse Tradition in Bezug auf Lehre, Kult und Ethik. Zudem wird von den künftigen Ethiklehrkräften erwartet, dass sie sich auch mit Grundfragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens von Menschen mit unterschiedlichen religiösen Überzeugungen, mit Formen des Konflikts und des Dialogs zwischen Religionen und mit den Erscheinungsformen neureligiöser Bewegungen befasst haben.


6. Fachdidaktik

Zu den fachdidaktischen Prüfungsanforderungen gehört, dass man Auskunft geben kann über Verständnis und Begründung des Ethikunterrichts, über den Beitrag der Ethik zur Bildung, über Themen philosophischer Ethik entsprechend den obersten Bildungszielen der Bayerischen Verfassung, über Grundfragen der Moralpsychologie und der Moralpädagogik sowie rationalitätsbetonende und handlungsorientierte Methoden des Ethikunterrichts. Hinzu kommen die in § 33 LPO I (2008) generell beschriebenen Inhalte der Fachdidaktik, insbesondere Kenntnisse zur Planung und Analyse des Unterrichts im Hinblick auf Lernziele und Lerninhalte, Methoden, Lehr- und Lernmittel und Kontrollverfahren sowie ein Überblick über die Geschichte und Stellung des Fachs im Fächerkanon der jeweiligen Schulart.