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2.13 Aufbau Ethik LPO 2008


BESt
Bayerisches Ethikstudium
Internet Forum

Projekt des Lehrstuhls für Philosophie/SP Ethik
Prof. Dr. Christian Schröer - 86135 Augsburg

bayerisches-ethikstudium@phil.uni-augsburg.de

 

2 Grundlagen
2.1 Studium des Erweiterungsfachs Ethik (GS, MS, RS, BS*, FöS*)
     * nicht an allen Universitäten in Bayern studierbar

2.13 Der Aufbau des Studienfachs Ethik nach der LPO I von 2008


Nach der neuen LPO I von 2008 gliedert sich das Studium des Erweiterungsfachs Ethik in zwei separate Studienabschnitte. Die Inhalte des Studiums sind gegenüber der LPO I von 2002 im Wesentlichen dieselben geblieben.

Der erste Studienabschnitt widmet sich zunächst den philosophischen Grundlagen des Faches und wird mit dem Erwerb eines universitären Leistungsnachweises (ULN) abgeschlossen. Dieser Leistungsnachweis ist als Zulassungsvoraussetzung bei der Meldung zum Ersten Staatsexamen vorzulegen. Welche Studien- und Prüfungsleistungen für den Erwerb des ULN zu erbringen sind, ist an den einzelnen Universitäten unterschiedlich geregelt. Die Note des ULN wird nicht in die Gesamtnote des Staatsexamens eingerechnet.

Der zweite Studienabschnitt richtet sich auf die drei Teilgebiete Angewandte Ethik, Religion und Fachdidaktik und wird mit dem Ersten Staatsexamen abgeschlossen. Die Staatsprüfung besteht aus je einer dreistündigen Klausur zu den drei Teilgebieten. Die Klausurthemen werden vom Ministerium zentral gestellt.

Die inhaltlichen Prüfungsanforderungen, die in der LPO I genannt sind, werden in einigen Themenbereichen durch Kernkurrikula genauer bestimmt, die im Amtsblatt der Bayerischen Staatsministerien für Unterricht und Kultus und für Wissenschaft, Forschung und Kunst veröffentlicht werden (aktuelle Fassung: Amtsblatt Nr. 2 vom 16. Februar 2009).


Der erste Studienabschnitt: Philosophische Grundlagen und universitärer Leistungsnachweis (ULN)

Der erste Studienabschnitt umfasst zwei Themengebiete der Philosophie, die an den einzelnen Universitäten mit weithin verschiedenen Akzentuierungen gelehrt und geprüft werden:

1. Philosophische Grundlagen

Der Ethikunterricht will Kinder und Jugendliche an eine fachübergreifende Orientierung in Grundfragen der persönlichen und gesellschaftlichen Lebensgestaltung heranführen. Die Prüfungsanforderungen sehen hierfür die exemplarische Beschäftigung mit einem Teilgebiet der theoretischen Philosophie vor, in welchem Inhalte anderer Schulfächer in ihrer fachübergreifenden Bedeutung reflektiert werden. Zu wählen ist eine Disziplin aus den Gruppen Sprachphilosophie und Erkenntnistheorie, Philosophie der Technik- und Naturwissenschaften, Anthropologie/Sozialphilosophie und Metaphysik/Ontologie.

2. Grundbegriffe und Aufbau philosophischer Ethik auf der Grundlage klassischer Werke

Ein zweiter Themenbereich ist dem Studium der philosophischen Ethik gewidmet. Die Prüfungsanforderungen sehen vor, dass man sich auf der Grundlage klassischer Werke mit Grundbegriffen und Aufbau der philosophischen Ethik vertraut gemacht hat, so dass man mit den ethischen Fragestellungen, die im Unterricht zu behandeln sind, angemessen umgehen kann.

Die vier klassischen Werke, die in der älteren LPO I von 2002 noch verbindlich vorgeschrieben waren, werden in der LPO I von 2008 nicht mehr ausdrücklich erwähnt. Bei der Neufassung der LPO I war die Aufzählung der Werke zunächst in das zugehörige Kernkurrikulum verlagert worden. Im letzten Redaktionsschritt beschränkte man die Vorgaben des Kernkurrikulums jedoch auf diejenigen Teilgebiete, die weiterhin Gegenstand der Ersten Staatsprüfung sein sollten, wodurch die nähere Bestimmung der Inhalte, die dem ULN zugeordnet wurden, nun faktisch den Universitäten zufiel. An welchen klassischen Werken sich die Einführung in die Grundbegriffe der philosophischen Ethik orientiert, richtet sich daher nach den örtlichen Regelungen.

 

Der zweite Studienabschnitt: Praxisbezug und Staatsexamen

Der zweite Studienabschnitt wird durch die drei Klausuren der Ersten Staatsprüfung abgeschlossen. Die Studieninhalte lenken den Blick nun verstärkt auf die gesellschaftliche, religiöse und schulische Praxis. Die drei Prüfungen beziehen sich dementsprechend auf diese drei Themengebiete.

3. Angewandte Ethik

Der Ethikunterricht führt Kinder und Jugendliche schon in den unteren Klassen an Fragen des Umwelt- und Medienverhaltens heran und thematisiert in den höheren Jahrgangsstufen Probleme der Bioethik, der medizinischen Ethik und der Wirtschaftsethik. Ein angemessenes Verständnis der ethischen Konflikte in diesen Handlungsfeldern setzt heute jedoch vielfach eine differenzierte Beurteilung menschlichen Handeln im Licht von Natur-, Human-, Sozial- und Technikwissenschaften voraus. Für die Prüfung zur angewandten Ethik wird daher erwartet, dass man sich in diesem Sinne mit zentralen Problemen in einem der vier Bereiche Bioethik und Medizinethik, Wirtschaftsethik, Umweltethik/Technikethik oder Medien- und Informationsethik näher befasst hat.

4. Religionsphilosophie und Religionswissenschaft

Der Ethikunterricht soll Kinder und Jugendliche an ein sachgerechtes und respektvolles Verständnis religiöser Lebensformen heranführen. Wer das Fach unterrichtet, sollte daher selbst mit religiösen Grundbegriffen angemessen umgehen können und über Grundkenntnissen der wichtigsten Weltreligionen verfügen.

Das Kernkurrikulum zum religionsphilosophischen Teilbereich dieser Prüfung sieht vor, dass die Absolventinnen und Absolventen in sachgerechter Weise Auskunft geben können zum Verhältnis von Glauben und Wissen, zum Gottesbegriff, zu den klassischen Formen der Gottesbeweise, zu den Grundformen der modernen Religionskritik und zur Theodizeefrage.

Das Kernkurrikulum für den religionswissenschaftlichen Prüfungsteil verlangt vertiefte Kenntnisse über biblische, historische und systematische Grundlagen des Christentums sowie Kenntnisse über das Judentum, den Islam und eine asiatische religiöse Tradition in Bezug auf Lehre, Kult und Ethik. Zudem wird von den künftigen Ethiklehrkräften erwartet, dass sie sich auch mit Grundfragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens von Menschen mit unterschiedlichen religiösen Überzeugungen, mit Formen des Konflikts und des Dialogs zwischen Religionen und mit den Erscheinungsformen neureligiöser Bewegungen befasst haben.

5. Fachdidaktik

Die fachdidaktischen Prüfungsanforderungen sehen vor, dass die Absolventinnen und Absolventen Auskunft geben können über Verständnis und Begründung des Ethikunterrichts, über den Beitrag der Ethik zur Bildung, über Themen philosophischer Ethik entsprechend den obersten Bildungszielen der Bayerischen Verfassung, über Grundfragen der Moralpsychologie und der Moralpädagogik sowie über rationalitätsbetonende und handlungsorientierte Methoden des Ethikunterrichts. Hinzu kommen die in § 33 LPO I (2008) generell beschriebenen Inhalte der Fachdidaktik, insbesondere Kenntnisse zur Planung und Analyse des Unterrichts im Hinblick auf Lernziele und Lerninhalte, Methoden, Lehr- und Lernmittel und Kontrollverfahren sowie ein Überblick über die Geschichte und Stellung des Fachs im Fächerkanon der jeweiligen Schulart.