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Macht-Arabien-Demokratie?


Die 2-tägige Veranstaltung fand im Januar 2012 in Kooperation mit der Petra-Kelly-Stiftung, dem Lehrstuhl für Friedens- und Konfliktforschung sowie vielen weiteren PartnerInnen statt.


Veranstaltungsbericht:

Freitag, 27.1.2011
Arabellion – Syria and the Arab spring.
Mit dieser Vorabend-Veranstaltung sollte die Studientagung der Petra-Kelly Stiftung eingeläutet werden. Leider fiel Professor Sadiq al-Azm kurzfristig aus, weshalb Prof. Dr. Stefan Stetter spontan für ihn einsprang.
In seinem Vortrag stellte Prof. Stetter die Gesamtheit der arabischen Aufstände in einen umfassenden regionalen Kontext. In diesem Zusammenhang führte er zunächst die Bedeutung der arabischen Umbrüche für den israelisch-palästinensischen Konflikt aus. Er zeichnete die einzelnen Entwicklungen in weiteren betroffenen Ländern nach und verband sie mit der aktuellen politischen Dynamik in der Region. Dies vermittelte den Zuhörerinnen und Zuhörern ein beispielsreiches und differenziertes Bild der neuesten Entwicklungen: Es würden sich ähnliche Ursachen für die Demonstrationen wie ein roter Faden durch die einzelnen Länder ziehen, jedoch seien die sich daraus ergebenden Veränderungen je nach Land sehr unterschiedlich und nur in unterschiedlichen Szenarien zu erfassen. Insgesamt gelang es Prof. Stetter, diese unterschiedlichen Entwicklungen mit Ihren Chancen und Risiken aufgrund regionalspezifischer Faktoren, umfassend und überzeugend darzustellen.

 

Samstag, 27.1.2011

Nach der Begrüßung und Einführung durch Prof. Dr. Christoph Weller (Universität Augsburg), führte Dr. Salam Said (Universität Erlangen) mit einem Vortrag zu den Entwicklungen in Syrien in den Studientag am Samstag ein.

Said gab zum Einstieg einen historischen Abriss, der 1973 im „Sozialstaat mit Planwirtschaft“ ansetzte und Syrien im Jahr 2001 eine liberalorientierte Wirtschaftspolitik und Marktöffnung attestierte. Diese Liberalisierungsmaßnahmen führten, so Said, in eine Klientelwirtschaft, welche eine ungerechte Einkommensverteilung und das Verschwinden der Mittelschicht mit sich brachten. Eben jene sozioökonomischen Probleme sowie zunehmende Armut sieht Said als Grund für die Revolte im Jahr 2011. Die Gründe für das Andauern des Aufstandes lokalisierte die Referentin u.a. in der Loyalität des Militärs sowie der Sicherheitskräfte gegenüber dem Assad-Regime, regionalen Verbündeten wie dem Iran, einem geringen internationalen Wirtschaftinteresse und in der gespaltenen Opposition in säkulare Demokraten, Linksdemokraten, liberale Konservative und junge Demonstranten/-innen. Als Konfliktlösungsmöglichkeiten für die aktuelle Lage in Syrien unterbreitete Said den nationalen Dialog, den Vorschlag der Arabischen Liga – Jemenitisches Modell – und internationale militärische Interventionen.

Im Anschluss an Said konnte das Publikum den Vortrag von Magdi Gohary zur Entwicklung in Ägypten verfolgen. Einführend machte Gohary deutlich, dass der Prozess in Ägypten unumkehrbar sei und führte dafür drei wesentliche Ursachen an: In seinen Augen ist es zu einer Veränderung des ägyptischen Persönlichkeitsbildes gekommen, weiterhin ist eine kritische Öffentlichkeit, die einen Rechenschaftsbericht fordertet, entstanden und schließlich ist das Ende der politischen Monopolisierung in Ägypten eingetreten. Die im Anschluss folgende Diskussion mit den ExpertInnen beantwortete u.a. Fragen zum gegenwärtigen Einfluss der Salafisten auf das ägyptische Volk und zur aktuellen Rolle des Militärs als Übergangsregierung.

Im Anschluss an die beiden spannenden Einführungsvorträge konnten die TeilnehmerInnen bei einem ausgiebigen Buffet über die aus den Ausführungen gewonnen Informationen diskutieren und für die vier im Anschluss folgenden Arbeitgruppen Kräfte sammeln. Die Schwerpunkte in den Arbeitsgruppen waren die Rolle der Frauen, der Jugend, des Militärs und Gewalt/Gewaltfreiheit; auch hier wurden die TeilnehmerInnen von verschieden ExpertenInnen durch den Nachmittag geführt und bekamen vertiefte Einblicke in die jeweiligen Schwerpunkte.

Nach Kaffeehaus-Gesprächen, in denen sich die TeilnehmerInnen der Arbeitsgruppen über ihre Eindrücke austauschen konnten, folgte die abschließende Podiumsdiskussion mit hochgradiger Expertenbesetzung.

Die Podiumsdiskussion: „Kontinuität oder Neubeginn? Europas Umgang mit der arabischen Welt“ wurde von Esther Saoub (SWR) moderiert, die den Diskutanten/-innen Prof. Dr. Stephan Stetter (Universität der Bundeswehr), Michael Lüders (Journalist), Dr. Salam Said (Universität Erlangen) und Magdi Gohary (Ägypten-Experte) Fragen zur Rolle des Militärs, der Unterstützung der Golfstaaten im demokratischen Wandel, die Rolle der Türkei als strategischer Partner und zur Einbezugnahme von religiösen Parteien im Wandlungsprozess stellte. Um die differenzierte Beantwortung der Fragen durch die ExpertenInnen hier nur anzureißen, soll die Antwort von Michal Lüders zur Frage nach der Rolle der Golfstaaten im Prozess vorgestellt werden: Saudi-Arabien hätte, so Lüders, keine Interesse am „Arabischen Frühling“ und kaufe die Unzufriedenheit der eigenen Bevölkerung, besonders im Konflikt von Sunniten und Schiiten, durch verschiedenste Zuwendungen auf.

Gegen 18 Uhr neigte sich der Veranstaltungstag dem Ende zu und Gesa Tiedemann (Petra-Kelly-Stiftung) bedankte sich bei allen Teilnehmern/-innen für ihr zahlreiches Erscheinen und den interessanten Austausch. Der ASKA bedankt sich an dieser ebenfalls noch einmal für die außerordentlich gute Kooperation, sowie die interessanten Ausführungen aller Teilnehmenden.

 

Bildergalerie:

Macht-Arabien-Demokratie_-0000-k Macht-Arabien-Demokratie_-0001-k Macht-Arabien-Demokratie_-0002-k
Prof. Dr. Zangel & Stetter (Freitag) Macht-Arabien-Demokratie_-0004-k Präsentation Dr. Said (Samstag)
Macht-Arabien-Demokratie_-0006-k Magdi Gohary (Vortrag, Samstag) Magdi Gohary (Workshop, Samstag)
Workshop (Samstag) Beisammensein (Samstag) Podiumsdiskussion (Samstag)
Podiumsdiskussion (Samstag)    

© Renate Grasse, AGFP