Das Leopold-Mozart-Zentrum versteht sich nicht als „kleine Musikhochschule“ in der Universität, sondern als künstlerische, musikpädagogische und musiktherapeutische Einrichtung, die in die Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät mit ihren vielfältigen Vernetzungsmöglichkeiten mit den unterschiedlichen Disziplinen der Philosophie, Psychologie, Pädagogik, Soziologie und Didaktiken eingebunden ist. Darüber hinaus ergeben sich Möglichkeiten, Synergieeffekte auch mit Disziplinen anderer Fakultäten, z.B. Theologie, europäische Kulturgeschichte, Kunstgeschichte, Sprachwissenschaften auszuloten. Das besondere Profil dieser Verbindung künstlerischen Lebens mit der Welt der Wissenschaft als ein in Deutschland neuartiges Bildungsmodell ergänzt die bisherige Ausbildungslandschaft. Die große Chance dieses Modells ist, dass eine gelungene Integration eine zunehmende Vielfalt von Bildungschancen eröffnet. Dies ist attraktiv für die Studierenden der künstlerischen bzw. musikpädagogischen Studiengänge.
Das Studienprogramm fügt sich nahtlos in die Gesamtstrategie der Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät, der fakultätsübergreifenden Institute und Kompetenzzentren ein (Kultur und Bildungswissenschaft, Heterogenität und Bildungserfolg, Medien und Kommunikation, Friedensforschung, Lehren und Lernen), die Modulbildung garantiert die Verzahnung der verschiedenen außerschulisch relevanten musikpädagogischen Lehrangebote mit Studienangeboten des Lehramtsstudiums. Durch die interdisziplinäre Einbindung in die philosophisch-sozialwissenschaftliche Fakultät und die fakultätseigenen und -übergreifenden Institute können Forschungsergebnisse zeitnah aufgegriffen werden und aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen im Ausbildungskonzept ihren Niederschlag finden.
Das „Leopold-Mozart-Zentrum – Zentrum für Musik und Musikpädagogik“ weist in seiner Bezeichnung auf die Schwerpunkte einer künstlerischen und pädagogischen Ausbildung hin. Es versteht sich als Kompetenzzentrum für
Künstlerische Interpretation, insbesondere der Werke der Mozartzeit und der Musik des 20./21. Jahrhunderts
Zum besonderen Profil der künstlerischen Ausbildung an der Universität gehören Veranstaltungen, die einerseits der Künstlerischen Interpretation, andererseit der Reflexion künstlerischer Interpretation dienen (kultur-, zeit- und rezeptionsgeschichtlicher Kontext).Vorbildgebend ist hier die Arbeit des „Interdisziplinären Forums für künstlerische Interpretation“ (Leitung Prof. Julius Berger) mit den regelmäßigen Projektreihen „Von der Idee zum Werk“, „Kammermusikalische Akademie“, „Komponist und Interpret“ mit exzellenten auswärtigen Gastreferenten, Wissenschaftlern und und Künstlern. Dabei haben sich zwei Schwerpunkte herausgebildet:
1. In der Geburtsstadt Leopold Mozarts versteht es sich nahezu von selbst, dass insbesondere die Interpretation von Werken der Mozartzeit und deren kultur-, zeit- und rezepionsgeschichtliche Einordnung einen hohen Rang einnimmt, zumal in Augsburg die Mozartvereinigungen (Deutsche Mozartgesellschaft, Leopold Mozart Kuratorium (Internationaler Violinwettbewerb), Internationale Leopold Mozart Gesellschaft, Mozartgemeinde und Mozartstiftung in enger Verbindung, auch personell, zum Leopold-Mozart-Zentrum stehen. Zudem enthält die Sammlung der Oettingen-Wallersteinschen Bibliothek in der Universitätsbibliothek 1.600 Handschriften, 1.300 Musikhandschriften und 1.800 Musikdruckeund literarische Dokumente der Mozartzeit. Instrumente der Mozartzeit gehören zur Ausstattung des LMZ. Die historische Instrumentensammlung mit Instrumenten der Mozartzeit soll erweitert werden. Eingeführt wurden Wettbewerbe, deren Bezeichnungen auf wichtige Ausgburger Zeitgenossen Mozarts hinweisen (Johann Jakob Lotter Preis, Johann Andreas Setin Preis).
2. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Beschäftigung mit Musik der Gegenwart und jüngeren Vergangenheit. Regelmäßig werden Komponisten und Interpreten eingeladen, die Musik des 20. /21. Jahrhunderts und aktuelle Kompositionen mit den Studierenden erarbeiten und der Öffentlichkeit vorstellen. Günstige Voraussetzungen liegen hier insofern vor, als mehrere Komponisten als Dozenten am LMZ beschäftigt sind (Heller,Schmidt, Herfert, Schulzki) , ein Studio für Neue Musik regelmäßig Veranstaltungen anbietet, ein Ensemble für zeitgenössische Musik aktuelle Kompositionen einstudiert und das LMZ der wichtigste Partner des Projekts „Mehr Musik“ zur Förderung zeitgenössischer Musik für Kinder und Jugendliche ist. In allen Studiengängen gehört die theoretische und praktische Beschäftigung mit Musik der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart zum Pflichtprogramm. Stilistisch hat die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts zahlreiche Ausweitungen im Jazz- und Popbereich erfahren. Studierende erhalten deshalb die Möglichkeit einer Vertiefung auf diesen Gebieten, da das LMZ mit den verschiedensten popmusikalischen Einrichtungen von Stadt und Region vernetzt ist.
Musikvermittlung und Musiktherapie
In der Bezeichnung der Einrichtung („Zentrum für Musik und Musikpädagogik“) wird deutlich, dass ein weiterer Schwerpunkt in Lehre und Forschung auf dem Gebiet der Musikvermittlung liegt. Angeboten werden musikpädagogisch ausgerichtete Studiengänge: Musiklehrer an allgemeinbildenden Schulen werden in der Lehrerausbildung (Grund-, Haupt- und Realschule), Musikschullehrkräfte und Private Musiklehrer im BA-Studiengang Musik ausgebildet. Im BA-Studiengang Erziehungswissenschaft kann ein musikpädagogischer Schwerpunkt gewählt werden. Studienprofile im BA Studiengang Musik sind Gesangs- und Instrumentalpädagogik, Elementare Musikpädagogik, Blasorchesterleitung, deren pädagogische Ausrichtung intensiviert wird durch die innovativen Vertiefungsrichtungen Jazz/Pop/Musikmedien, Klassenmusizieren, Musikwissenschaft/Musiktheorie, interkulturelle Musikerziehung und Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Förderbedarf. Insbesondere die stilistische Erweiterung um Jazz, Pop, der Einbezug des Klassenmusizierens, die intensive mediale Ausbildung, die Erweiterung des Angebots um interkulturelle, musiktherapeutische Aspekte entsprechen einem zeitgemäßen Ausbildungsmodell. Musikwissenschaft und Musiktheorie sind praxisbezogen auf Arbeit in kulturellen Einrichtungen ausgerichtet (Gesprächskonzerte, Stadtführungen, Arbeit im Museum, Ausstellungen, Regionalforschung). Die Modulbildung ermöglicht die Verzahnung der verschiedenen außerschulisch relevanten musikpädagogischen Lehrangebote mit Studienangeboten des Lehramtsstudiums. Einzelne Ausbildungsmodule eignen sich in besonderer Weise als Weiterbildungsangebote für Lehrkräfte in Schule und Musikschule, Erzieherinnen bzw. Kindergärtnerinnen. Die begonnene behutsame Verzahnung von Studienanteilen der Lehramtsausbildung im Fach Musik mit Studienelementen des BA-Studiengangs Musik, wie sie durch Belegung von Modulelementen der Vertiefungsrichtungen für Lehramtsstudierende und künftig für Medienarbeit und die Chorarbeit für alle Studiengänge umgesetzt wird, eröffnet weitere Möglichkeiten, Synergieeffekte stärker auszunutzen. Der MA-Studiengang „Musikvermittlung/Konzertpädagogik ist inneruniversitär von den Gremien bereits genehmigt.
Schwerpunktstützende pädagogische Maßnahmen sind: die Einrichtung der monatlich stattfindenden LMZ Kolloquien mit Gastreferenten anderer Universitäten und Musikhochschulen, bei der aktuelle musikpädagogische Themen zur Instrumental- und Gesangspädagogik und zur Musik des 20. /21. Jahrhunderts behandelt werden, die Etablierung einer Schriftenreihe des LMZ („Vermitteln, Fördern, Interpretieren“) und ein mehrjähriges Projekt „Instrumentaldidaktik“ mit der Einrichtung von Projektstellen sowie einigen wissenschaftlichen Hilfskraftstellen. Das LMZ ist der wichtigste Partner bei dem von der Deutschen Kulturstiftung geförderten Projekt „Mehr Musik“ zur Förderung der Akzeptanz zeitgenössischer Musik bei Kindern und Jugendlichen. Unter hundert eingereichten Projekten aus dem In- und Ausland sind zwei Projekte aus Augsburg von sieben (!) in der engsten Auswahl mit Bestpreisen ausgezeichnet worden. Dozentinnen und Dozenten des LMZ wirken hier ebenso mit wie bei dem wichtigen Wettbewerb „Jugend musiziert.“ Erfolgreich arbeiten Gymnasien ( insbesondere die musischen Gymnasien), Grund- und Mittel- und Realschulen, Musikschulen und die vorschulischen Einrichtungen mit dem LMZ zusammen - durch entsprechende Vereinbarungen abgesichert.
Die Vernetzung von Musik, Musikpädagogik und Musiktherapie wird ständig vorangetrieben. Durch die Integration des Faches Musiktherapie konnten ein Ausbildungsschwerpunkt „Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf“ im BA-Studiengang Musik eingebracht werden. Im Aufbau befindet sich das „Interdisziplinäre Gesundheitszentrum für Forschung, Lehre, Praxis, Prävention und Weiterbildung der Universität“ und das „Musiktherapie Zentrum an der Universität Augsburg“ mit Blick auf psychosoziale Präventionsmöglichkeiten mit Musik. Das Zentrum wird - finanziell gestützt durch einen Förderverein, musiktherapeutische Behandlung ermöglichen, wo diese medizinisch indiziert ist. Gleichzeitig wird eine Anbindung an die Lehre sowie Qualitätssicherung durch Forschung sichergestellt. Der weitere Ausbau des Bereichs „Musik und Gesundheit“ ist in vollem Gange. Dabei werden sowohl physiologische Aspekte der Musikermedizin berücksichtigt (in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. med. Joachim Blum, Vorstand der „Deutschen Gesellschaft für Musikphysiologie und Musikermedizin“), der bereits beratend für uns tätig ist. Prof. Dr. med. Hans Ulrich Schmidt (Professor für musiktherapeutische Forschung und Musikmedizin am LMZ, Facharzt für Psychotherapeutische Medizin) will sich insbesondere auch um die psychischen Probleme von Musikern sowie deren Beratung und Prävention kümmern
Nachdem das Fach Musiktherapie in die Promotionsordnung der Universität aufgenommen wurde, gibt es immer wieder Anfragen und laufende Projekte (z. B. über Gewaltprävention, Integrationsmaßnahmen für Schüler mit Migrationshintergrund, musikalische Parameter im vorsprachlichen Mutter-Kind-Dialog, zur Förderung von emotionaler Intelligenz, den Einsatz digitaler Medien in der Musiktherapie). Die international renommierte „werkstatt für musiktherapeutische forschung augsburg“ findet seit 2008 jährlich am LMZ in Augsburg statt.