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Instrumental- und Vokalpädagogik


WARUM EIGENTLICH INSTRUMENTAL- UND GESANGSPÄDAGOGIK?

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v.l.n.r.: Prof. Martin Loritz | IGP-Unterricht mit Lernenden und Studierenden | Alla Gonchar

Interview mit Prof. Dr. Martin Loritz (ML), Professor für Instrumental- und Gesangspädagogik am Leopold-Mozart-Zentrum, und Alla Gonchar (AG), Mitarbeiterin für Instrumentalpädagogik. 

Worum geht es in der Instrumental- und Gesangspädagogik?

ML: Es geht darum, wie man als Musikerin bzw. Musiker in die Lage versetzt wird, kompetenten Instrumental- oder Gesangsunterricht zu erteilen, in Musikschulen oder auch im privaten Unterricht.

Wie ist die Instrumental-und Gesangspädagogik (IGP) am LMZ in den Bachelorstudienganz Musik integriert?

ML: Jeder, der Musik am LMZ studiert, muss sich bereits zu Beginn für ein von drei Profilen entscheiden.  Ein Profil davon ist IGP, dort erhalten die Studierenden Unterricht in einem Instrument bzw. Gesang als Hauptfach, welches über alle Semester in der künstlerischen Weiterentwicklung im Mittelpunkt steht. Und sie erfahren zusätzlich, wie sie diese musikalisch-künstlerische Kompetenz an andere weitergeben können.

Das heißt, im Studium mit Profil IGP  wird man Künstler und Lehrer?

ML: So könnte man es sagen. Die Mehrzahl der Musikhochschulen in Deutschland hat pädagogische Anteile. Bei uns wird dieser Anteil jedoch zum wichtigen Zusatzbaustein für einen späteren Beruf. Wir sind unserem Namensgeber Leopold Mozart sehr verpflichtet, der eben auch ein sehr engagierter Lehrer war, dessen Violinschule bis heute Standard ist.

Heißt das, dass man bei der künstlerischen Ausbildung  Abstriche macht?

ML: Nein, im Gegenteil, man bekommt mehr dazu. Wir sind der Meinung, dass nur ein wirklich guter Künstler auch gut unterrichten kann, weil er sein Instrument/die Stimme und die musikalischen Möglichkeiten zur Gänze beherrscht. Aber umgekehrt wird auch ein Schuh daraus: Es gibt praktisch keinen Künstler, auch unter den Weltstars, der nicht auch irgendwann einmal unterrichtet. Und das sollte er/sie auch professionell können.

Die Entscheidung, wohin es einen in der beruflichen Ausbildung drängt, ist ja am Studienbeginn noch nicht immer klar: Meistens ist nur sicher: Man liebt die Musik und möchte sie ein Leben lang nicht missen. Während des Bachelorstudiums beginnt man zu begreifen, wohin es einen zieht: Ob man das Zeug und auch das Durchhaltevermögen für die solistische Karriere und den Orchesterberuf hat, ob man auch mit den privaten Einschränkungen, die häufig damit verbunden sind (Nachtarbeitszeiten, familiäre Einschränkungen, hohe Mobilität u.a.m.) leben möchte. Wenn man das kann und möchte, kann man am LMZ ein künstlerisches Masterstudium anschließen. Oder man merkt, dass die Vermittlung der Musik vielleicht die viel spannendere Aufgabe ist.

Wie wird man auf die unterschiedlichsten Aufgaben im Studium vorbereitet?

ML: Hier am LMZ gibt es eine hohe Praxiskomponente: Es gibt Praktika an Musikschulen, das Dem-Profi-über-die Schulter-schauen, das ist die Hospitation. Die Studierenden bekommen den gesamten Alltag der Musikschulen mit, vom Unterricht bis zum Musikschulmanagement. Dann kommt aber auch das Ausprobieren des Lehrens, bei dem der Profi einen coacht.  Die LMZ- Methodikdozenten und –dozentinnen für jeden einzelnen Fachbereich (sowie erfahrene Musiklehrkräfte) begleiten die Studierenden dabei. Und dabei wächst auch das Gefühl dafür, ob der Lehrberuf eine Berufung sein kann.

Herr Prof. Loritz, entwickelte sich das so bei Ihnen?

Ja, ich denke, das lief immer parallel: In meiner Ausbildung als Pianist entdeckte ich Grenzen, auch Grenzen der Motivation. Ich denke, das kann einem erst beim Praktizieren klar werden. Als Praktikant in einem Orchester z.B. wird einem klar, dass hier Musik nach Regeln von anderen gemacht wird, es ist immer jemand da oben, der einem die Interpretation vorschreibt, der Kontakt zum Publikum, zu den anderen, ist immer vermittelt. Das Unterrichten hingegen hat unmittelbar mit dem Gegenüber zu tun, die Person ist Lernender, aber auch Musikpartner und Freund. So direkt kann man Musik im Orchester nicht weitergeben.

Frau Gonchar, wie war es bei Ihnen? Wussten Sie schon, was Sie später musikalisch machen wollten?

AG: Oh ja, sehr früh! Ich wusste schon mit 12, dass ich Klavier unterrichten wollte. Ich hatte bereits Wettbewerbe gewonnen und hätte durchaus eine solistische Karriere anstreben können. Aber ich hatte eine tolle Klavierlehrerin, die mich mit ihrer Persönlichkeit so beeindruckt und inspiriert hat, dass ich das mehr wollte, das Unterrichten.

Wie war dann Ihr weiterer Werdegang?

AG: Ich stamme aus Westsibirien und habe dort Klavier spielen gelernt. Zum Studium bin ich dann nach Kiev gegangen und habe dort zunächst Klavier und dann noch Musikpädagogik studiert. Anschließend habe ich in Deutschland ein weiteres Musikpädagogikstudium an der Universität Augsburg absolviert.

Was würden Sie jemandem sagen, warum er sich für Instrumental- bzw. Vokalpädagogik entscheiden sollte?

AG: Die Entscheidung geht immer von der inneren Berufung aus. Man muss als Künstler auf der Bühne es mit ganzem Herzen wollen und im Unterricht ebenso. Man kann auch dafür brennen zu lehren.

Was hat man davon, Musik zu unterrichten?

AG: Die Bereicherung, die schönste Sache der Welt mit anderen zu teilen. Zu sehen, wie die bei anderen wächst. Ich hatte z.B. einen Jungen, der war 17, er wollte richtig Klavier spielen können. Nach zwei Jahren Unterricht spielt er die Sonate Nr. 17 von Beethoven!

Immer wieder hat man Probleme bei jüngeren Schülern, diese zu motivieren? Was kann einem dabei helfen?

ML: Ich denke, man kann Ziele aufzeigen. Stücke, die man sich vornimmt, gemeinsames Musizieren.

Was motiviert Sie?

AG: Ich lerne wahnsinnig durchs Unterrichten, es zeigt mir für mein eigenes Spiel immer wieder neue Perspektiven auf.

ML: Ja, durch das Vermitteln der Musik erscheint ein Werk  in einem anderen Licht, als wenn ich es nur selber übe. Ich lerne die Stücke immer wieder neu kennen, auch solche, die ich schon seit vielen Jahren spiele. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich erst nach 20 Jahren, durch den Unterricht, ein Stück endlich richtig verstanden habe.

AG: Wer unterrichtet, bleibt auch als Musiker noch hungrig und neugierig. 

Interview,  geführt im Mai 2017

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Dozent für Instrumental- und Vokalpädagogik ist Prof. Dr. Martin Loritz.

Nähere Informationen zum gesamten Fach Musikpädagogik finden sie hier.


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