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Forschungsprojekt: Familie, Leben, Arbeiten (FALEHA) II – Lebenszusammenhänge in Mehrpersonenbedarfsgemeinschaften


Übersicht über das Projekt 

 

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„Hartz IV“ gilt in der öffentlichen Wahrnehmung häufig als Sinnbild für Armut und soziale Ausgrenzung. Gerade für Familien, die Leistungen nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch („Hartz IV“) beziehen, scheint die Hürde groß zu sein, den Hilfebezug zu beenden und ihre materielle Situation dauerhaft zu verbessern. Das Forschungsprojekt FALEHA II macht es sich zur Aufgabe, die Situation von Familien in den Blick zu nehmen und zu fragen, wie sich das Suchen und Finden von Erwerbsarbeit unter den Bedingungen von Hartz IV darstellt und wie sich dies auf das Familienleben auswirkt. FALEHA II wird im Auftrag des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) an der Universität Augsburg von 2017 bis 2020 durchgeführt.

Dem Projekt voraus geht die Studie FALEHA, die in Kooperation der Universität Augsburg, der Hochschule Fulda und dem IAB stattfand und 2017 abgeschlossen wurde. Beide Projekte haben zum Ziel, die Forschungslücke hinsichtlich der Wirkung von Grundsicherungsleistungen auf Familien (und nicht nur auf die einzelnen Personen) zu schließen. Ihnen liegt die Annahme zu Grunde, dass Bewältigungsformen im Umgang mit stigmatisierenden Zuschreibungen und institutionellen Aktivierungsforderungen innerhalb des familialen Gefüges hergestellt werden und das familiale Selbstverständnis hierüber (re)produziert wird.

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Weiter wird angenommen, dass der Bezug von Leistungen der Grundsicherung nicht nur Folgen für die finanzielle und soziale Situation von Einzelnen hat, sondern sich in Bedarfsgemeinschaften auf das Zusammenleben der Familie insgesamt auswirkt. Während wir in FALEHA allgemeiner der Frage nachgingen, wie sich die Grundsicherung auf die Gestaltung des Familienlebens, der Organisation des Haushalts und der Finanzen und auf das Selbstverständnis der Erwachsenen und Jugendlichen auswirkt, verfolgen wir in FALEHA II nun die Frage, was sich ändert, wenn ein Familienmitglied eine Erwerbsarbeit aufnimmt. Welchen Einfluss hat dies auf die Gestaltung des Alltags, die Rollenverteilung, sowie die Teilhabemöglichkeiten aller Familienmitglieder – auch diejenigen, die keiner Arbeit nachgehen?

Diese Fragen werden im Rahmen qualitativer Erhebungen bundesweit und an unterschiedlichen Standorten bearbeitet. Die Standorte unterscheiden sich hinsichtlich relevanter Strukturmerkmale (etwa der Arbeitsmarktlage und Siedlungsstruktur) voneinander, wodurch die Bedeutung von Kontextfaktoren systematisch berücksichtigt werden kann. Mit der erneuten Befragung von Familien aus dem vorhergehenden FALEHA-Projekt und ergänzenden Neuerhebungen können Veränderungsprozesse auf innerfamilialer und auf individueller Ebene untersucht werden. Methodisch wird den Forschungsfragen sowohl anhand von Familieninterviews, als auch anhand von Einzelinterviews nachgegangen.

Das Projekt findet im Rahmen der seit 2007 laufenden qualitativen Panelstudie „Armutsdynamik und Arbeitsmarkt – Überwindung und Verstetigung von Hilfebedürftigkeit“ (Gesamtprojektleitung Dr. Andreas Hirseland) statt, die am IAB-Forschungsbereich "Erwerbslosigkeit und Teilhabe“ koordiniert und durchgeführt wird. Das Projekt ist damit Teil der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) nach §55 SGB II finanzierten Evaluations- und Begleitforschung zur Grundsicherung für Arbeitssuchende.

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Das Forschungsteam

Projektleitung IAB Nürnberg:

Dr. Andreas Hirseland
E-Mail: andreas.hirseland@iab.de
Tel: 0911-1795070

Projektleitung Universität Augsburg:  

Prof. Dr. Werner Schneider
E-Mail: werner.schneider@phil.uni-augsburg.de 
Tel: 0821-598 5679
Homepage

MitarbeiterInnen:

Dr. Lisa Abbenhardt
E-Mail: lisa.ellen.abbenhardt@phil.uni-augsburg.de

Thomas Geisberger, B.A.

Sabrina Koch, B.A.

Daniel Kühn, M.A.
E-Mail: daniel.kuehn@phil.uni-augsburg.de

Veröffentlichungen

Hirseland, Andreas; Engel, Florian (2016): „Ich meine, das reicht hinten und vorne nicht“ – Ansätze nachhaltigen Wirtschaftens bei Hartz-IV-Beziehenden. In: Vierteljahreshefte zur Wirtschaftsforschung  85 Jg.; H. 3; S. 69–79.

Kreher, Simone (2017): Wer spricht wie, wenn wir über und mit als arm geltenden Familien reden? In: S. Kreher & F. Welti (Hrsg.): Soziale Rechte und gesellschaftliche Wirklichkeiten. Interdisziplinäre Konferenz des Forschungsverbundes für Sozialrecht und Sozialpolitik (FoSS) der Hochschule Fulda und der Universität Kassel, 03./04. September 2015. Kassel: University Press; S. 68-85

Rosendorfer, Tatjana (2017): Haushalten mit (zu)wenig Geld - Empirische Ergebnisse einer qualitativen Untersuchung von Arbeitslosengeld II-Beziehern. In: Hauswirtschaft & Wissenschaft, 65. Jg. Heft 2/2017

Welsch, Nina (2017): Vorstellungen von sozialer Respektabilität und (Selbst-)Stigmatisierung bei Familien im SGB-II-Bezug. Ergebnisse einer Kritischen Diskursanalyse von Alltagsdiskursen betroffener Familien. In: Pg-papers. Diskussionspapiere aus dem Fachbereich Pflege und Gesundheit. Link

Auf weitere Publikationen wird regelmäßig nach Erscheinen hingewiesen.