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(Un-)Fassbare Gewalt? Erfahrungsgebundene Gewaltanalyse als reflexiver Ansatz in der Friedens- und Konfliktforschung


Abstract zum Dissertationsprojekt von Rebecca Gulowski

Unsere Vorstellungen von und über Gewalt sind nur zu oft medial vermittelt. Dies verzerrt öffentliche, politische und juristische Diskurse über Gewalt, die in der Regel sehr wenig mit realen Gewalterfahrungen Einzelner gemein haben. Gerade in Bezug auf sexualisierte Gewalt ist es problematisch, wie gesellschaftliche Bilder unsere Vorstellungen über Opfer, Täter*innen und ihre Taten prägen. Als Beispiel dafür gilt die „Vergewaltigung in der Ehe“, die in Deutschland erst 1997 als Straftatbestand eingeführt, damit aber auch erst im gesellschaftlichen Diskurs auf den Begriff gebracht, wurde. Die Bewertung sexualisierter Gewalterfahrungen sollte immer auch bei den Betroffenen liegen und nicht allein über gesellschaftliche Vorstellungen bestimmt sein, wie ein Opfer oder Täter*innen auszusehen und sich zu verhalten haben. Auch, dass nicht nur Frauen Opfer sexualisierter Gewalt sind, ist strafrechtlich eine vergleichsweise neue Einsicht, betrachtet man gesellschaftliche Debatten darüber, scheint dies aber noch häufig nicht zu den Vorstellungen zu passen. In meiner Dissertation analysiere ich daher Gewaltdiskurse, gehe aber auch einer mikrosoziologischen Analyse von Gewaltsituationen nach und integriere nicht-diskursive Erfahrungen von Betroffenen. Daraus entwickele ich eine anwendungsorientierte Theorie der Gewalt. Denn letztendlich sagt der Umgang einer Gesellschaft mit ihren Gewaltphänomenen viel über eine Gesellschaft an sich aus. Umso wichtiger scheint es mir Diskurse zu schaffen, um bisher unsag und damit unfassbare Gewalt aussprech- und so politisch sichtbar zu machen.