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Bericht von der Jahrestagung 2017: Religion und Bildungsmedien

Verleihung des Arsen-Djurović-Preises für historische Schulbuchforschung

Newsletter der Interessengemeinschaft Fibeln

Neuerscheinungen

 

Religion und Bildungsmedien

Bericht über die Jahrestagung der Internationalen Gesellschaft für historische und systematische Schulbuch- und Bildungsmedienforschung e.V., vom 6. bis zum 8. Oktober 2017 in Augsburg

Im Jahr des 500-jährigen Reformationsjubiläums befasste sich die Jahrestagung der Internationalen Gesellschaft für historische und systematische Schulbuch- und Bildungsmedienforschung e.V. (IGSBi) mit dem wichtigen und oftmals vernachlässigten Thema „Religion und Bildungsmedien“. Der große Zuspruch, der in den zahlreichen eingereichten Vorschlägen für Beiträge und der erfreulichen Teilnehmerzahl von mehr als 60 Personen zum Ausdruck kam, unterstrich die Bedeutung der Thematik.

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Der erste Themenblock befasste sich mit „Interreligiöser Erziehung und Bildungsmedien“; die Referentinnen und Referenten stellten unterschiedliche Lehrmaterialien zum interreligiösen Dialog und zum Abbau von Vorurteilen vor. Der zweite Block galt Veränderungen von Bildungsmedien für den Religionsunterricht angesichts von Säkularisierung und Multireligiosität. Anschließend ging es um die Frage, ob und wie Lehrmaterialien für den Religionsunterricht auf Chancen und Gefahren der Digitalisierung eingehen bzw. sich diese auch zunutze machen können. Zum Abschluss des ersten Veranstaltungstages erläuterte der Autor eines aktuellen Religionsbuches den Prozess der Erstellung und damit verbundene Abwägungen und Entscheidungen.

Fibelforscher

 
 
 
 
 

 

 

 

Am zweiten Tag folgte auf einen Überblick über dreihundert Jahre Religionsbücher in Norwegen ein Panel der Interessengemeinschaft Fibeln zum Thema „Lesenlernen mit katechetischen Texten – geschichtliche Annäherungen“. Die Beiträger und Beiträgerinnen stellten aus unterschiedlichen nationalen Perspektiven die allmähliche Entwicklung vom rein religiösen Lehrbuch zur Fibel dar. Anschließend ging es um Religion als Gegenstand in unterschiedlichsten Schul- und Lehrbüchern vom 17. bis zum 20. Jahrhundert, beispielsweise in Deutschlehrmitteln in der Schweiz und in Finnland, in jüdischen Lesebüchern und in Lehrbüchern zur Geschichte der Pädagogik für Studierende.

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Am dritten Veranstaltungstag befassten sich zwei Themenblöcke mit Rang und Bedeutung von Religion in Bildungsmedien in verschiedenen Diktaturen (Sowjetunion, Jugoslawien, Italien) sowie im Übergang von diktatorischen zu demokratischen Systemen (Spanien, Albanien, Deutschland) im 20. Jahrhundert.

Den Abschluss bildeten unterschiedliche fachdidaktische Positionen und Perspektiven zum Themenkomplex „Religion und Bildungsmedien“, u.a. mit einem Beitrag zur religiösen Positionierung im Religionsunterricht und geschichtsdidaktischen und religionswissenschaftlichen Überlegungen zur reflektierten Darstellung religiöser Ereignisse in Medien für den Geschichtsunterricht.

Einen besonderen Höhepunkt stellte die Verleihung des Arsen-Djurović-Preises für historische Schulbuchforschung dar, der in diesem Jahr an Dr. Kira Mahamud Angulo (Universidad Nacional de Educación a Distancia, Madrid, Spanien) und Prof. Dr. Dr. Jan M.M.G.F. Van Wiele (Universität Tilburg, Niederlande) verliehen wurde. Weitere Informationen

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus vierzehn verschiedenen Ländern führten über die Beiträge, aber auch in den Pausen und beim festlichen gemeinsamen Abendessen angeregte Gespräche. Es wurde einmal mehr deutlich, wie bereichernd es ist, im Rahmen einer Fachtagung zu Bildungsmedien historische, systematische, qualitative und quantitative sowie fachdidaktische Perspektiven zusammenzubringen.

Die meisten Beiträge werden 2018 in einem Tagungsband veröffentlicht.
Zum Programm

Die nächste Jahrestagung wird vom 5. bis zum 7. Oktober 2018 in Brixen/Bressanone (Freie Universität Bozen/Bolzano, Italien) stattfinden. Sie befasst sich mit dem Thema: „Bildungsmedien und Europa“.

 

Verleihung des Arsen-Djurović-Preises für historische Schulbuchforschung

Die Internationale Gesellschaft für historische und systematische Schulbuch- und Bildungsmedienforschung verlieh im Rahmen ihrer diesjährigen Tagung zum dritten Mal den Arsen-Djurović-Preis für historische Schulbuchforschung.

Der Preis in Höhe von 1.000 €, der alle zwei Jahre von Dr. Milica Djurović (Belgrad, Serbien), der Witwe des langjährigen Vizepräsidenten von IGSBi Prof. Dr. Arsen Djurović, gestiftet wird, ging in diesem Jahr je zur Hälfte an eine Preisträgerin und einen Preisträger:
an Dr. Kira Mahamud von der Universidad Nacional de Educación a Distancia in Madrid, Spanien, und an Prof. Dr. Dr. Jan M.M.G.F. Van Wiele von der Universität Tilburg, Niederlande.

Preistraeger

Die Laudationes hielt Frau Prof. Dr. Eva Matthes, die Vorsitzende von IGSBi, im Rahmen des gemeinsamen festlichen Abendessens.

Frau Dr. Mahamud erhielt den Preis für ihre intensiven, vieldimensionalen Forschungen zu Fibeln in der Franco-Ära, ihr Aufgreifen der vernachlässigten Dimension der Vermittlung von Emotionen und ihre damit einhergehende Einbeziehung linguistischer Aspekte in die Schulbuchforschung, für ihr Interesse an demokratischen Transformationen diktatorischer und autoritärer Systeme und die Rolle, die Bildungsmedien in diesem Kontext spielen, sowie – nicht zuletzt – für ihre substanziellen, in ihren eigenen Forschungen umgesetzten methodologischen Überlegungen.
Zur Laudatio

Prof. Dr. Dr. Jan M.M.G.F. Van Wiele erhielt den Preis sowohl für die von ihm entwickelte Methode der Lehrbuchanalyse im Hinblick auf die Anpassung wissenschaftlicher Inhalte zum Zwecke der Vermittlung („history writ small“) als auch für die Entwicklung eines Verfahrens zur interreligiösen Analyse von Lehrmitteln mit den damit verbundenen methodologischen Überlegungen sowie außerdem für seinen Beitrag zur Verständigung von und über Religionen und zur Vermittlung von Religion in einer säkularisierten Gesellschaft in Bildungsmedien.
Zur Laudatio

Dr. Kira Mahamud Angulo und Prof. Dr. Dr. Jan M.M.G.F Van Wiele haben aus Sicht der Jury mit ihren inhaltlichen und insbesondere mit ihren methodologischen Arbeiten dazu beigetragen, die wissenschaftliche Qualität und damit das Ansehen der Schulbuchforschung in der Scientific Community zu steigern.

 

Soeben erschienen:

RPI_14 1Newsletter No. 14 der Interessengemeinschaft Fibeln (SIG RP)
mit vielen interessanten Beiträgen rund um die Fibelforschung.


Zum Download

 



 

 

Neuerscheinungen

Bente Aamotsbakken / Eva Matthes / Sylvia Schütze (Hrsg.): Heterogenität und Bildungsmedien (Bad Heilbrunn: Klinkhardt 2017)

Heterogenitaet_BildungsmedienDas Thema „Heterogenität und Bildungsmedien“ ist bisher in der Forschung weitestgehend unbeachtet geblieben. Demgegenüber führt die hier vorliegende Publikation nachdrücklich vor Augen, wie unverzichtbar es ist, bei einer gründlichen Behandlung der Thematik Heterogenität und Unterricht die Bildungsmedien als seine zentralen Steuerungselemente genau in den Blick zu nehmen.

Die Beiträge stellen in historischer und aktueller Perspektive die Frage, inwiefern Bildungsmedien – analoge wie digitale – den Umgang mit Heterogenität erleichtern bzw. unterstützen können:
– einerseits methodisch, vor allem im Sinne der inneren Differenzierung/ Binnendifferenzierung von Unterricht bzw. der Adaptierbarkeit der Bildungsmedien an individuelle Lernvoraussetzungen und -bedürfnisse;
– andererseits auf der inhaltlichen Ebene: indem Heterogenes thematisiert wird, also die Perspektiven verschiedener Geschlechter eingenommen, unterschiedliche Religionen, Kulturen und soziale Lagen wertschätzend und problembewusst beschrieben und unterschiedliche Lebensweisen, Berufe, Lebensalter etc. thematisiert werden.

Zum Inhaltsverzeichnis und zur Einleitung dieses Buches

 

Anja Sauer: Materialwissenschaft im Schulbuch. Eine Analyse materialwissenschaftlicher Inhalte in Chemie-Schulbüchern mit einem Methodenvergleich für die Frequenz- und Raumanalyse (Bad Heilbrunn: Klinkhardt 2017)

Sauer_MaterialwissenschaftDie Forderungen nach technischen Themen in der weiter­führenden Schule nehmen zu. Die Material­wis­sen­schaft, eine interdisziplinäre Ingenieur­wis­sen­schaft, besitzt aufgrund ihrer methodischen Nähe zur Chemie das Potential, natur­wissen­schaft­liche Gesetz­mäßigkeiten in technikrelevanten An­wen­dungs­kon­tex­ten zu vermitteln. Damit rückt die Frage in den Fokus, welche mate­rial­wis­sen­schaft­lichen Inhalte im Chemie-Schul­buch bereits vorhanden sind.

In einer Schulbuch-Analyse werden Chemie-Schulbücher auf vorhandene material­wis­sen­schaft­liche Inhalte (Werk­stoff­anwendung, Fer­ti­gungs­tech­nik, Werkstoff­prüfung, Auswahl der dargestellten Materialien) hin untersucht. Anschließend erfolgt ein Abgleich der identifizierten Inhalte hinsichtlich ihrer Relevanz für die materialwissenschaftliche Praxis auf Basis einer explorativen Fragebogenstudie.

Zusätzlich werden für Chemie-Schul­bücher der 70er Jahre die Ausprägungen vor dem Hintergrund der polytechnischen Bildung in der DDR jenen in Schul­büchern der Bundesrepublik gegenübergestellt. Außerdem werden die Struk­tur­elemente erhoben, die im Schulbuch der Darstellung material­wis­sen­schaft­licher Inhalte dienen. Für die Analyse werden im Sinne der qualitativen Inhaltsanalyse (nach Mayring) zwei Kategoriensysteme sowie zugehörige Unterkategoriensysteme entwickelt. Basierend auf diesen Daten wird ein Vergleich für zwei quantitative Methoden der Schulbuchforschung – die Frequenz- und die Raumanalyse – durchgeführt.

Zum Inhaltsverzeichnis und zur Einleitung dieses Buches

 

Eva Matthes / Sylvia Schütze (Hrsg.): Schulbücher auf dem Prüfstand / Textbooks under Scrutiny (Bad Heilbrunn: Klinkhardt 2016)

SchulbuecheraufdemPruefstandWenn man davon ausgeht, dass Schulbücher bzw. schulbezogene Bildungsmedien generell neben Lehrplänen und noch unmittelbarer als diese die zentralen Steuerungsmittel des Unterrichts sind, also Inhalte und deren Vermittlung entscheidend mitbestimmen, liegt es nahe, sie auf dem Prüfstand sehen zu wollen. Aber: Wer stellt sie auf den Prüfstand? Wer ist berechtigt, dies zu tun? Und welches sind die Prüfkriterien?

Ein Schwerpunkt dieses Bandes liegt auf staatlichen Zulassungsverfahren. Diese unterscheiden sich, nicht zuletzt nach Zustand der jeweiligen politischen Systeme, in ihrer Intention und ihrer Beschaffenheit deutlich voneinander.

Ein weiterer Fokus gilt den Versuchen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen, Schulbüchern – beispielsweise aus weltanschaulichen, politischen, religiösen oder wirtschaftlichen Gründen – ihre Legitimität abzusprechen oder selber Schulbücher (und zunehmend auch: Online-Lehrmittel!) mit bestimmten – gegen andere gerichteten – Inhalten durchzusetzen.

Und schließlich enthält der Band auch einschlägige Beiträge, die aus (bildungs-)wissenschaftlicher Perspektive prüfen, inwieweit Schulbücher den aktuellen bildungspolitischen und didaktischen Trends der Umsetzung von Bildungsstandards und Kompetenzmodellen entsprechen.

In dem Band finden sich Beiträge zu Prüf- und Legitimationsverfahren in Belgien, Deutschland, Griechenland, Norwegen, Österreich, Serbien, Tschechien, Ungarn und den USA.

Zum Inhaltsverzeichnis und zur Einleitung dieses Buches

 

Eva Matthes / Sylvia Schütze (Hrsg.): „1989“ und Bildungsmedien / “1989“ and Educational Media (Bad Heilbrunn: Klinkhardt 2016)

1989undBildungsmedienDie Autorinnen und Autoren dieses Bandes befassen sich mit den Auswirkungen, die „1989“ – verstanden als Chiffre für die fundamentalen politischen und gesellschaftlichen Veränderungen in Mittel- und Osteuropa um 1989, häufig als „Wende“, zutreffender als „(Friedliche) Revolution“ bezeichnet – auf Bildungsmedien hatte.

Dabei geht es zum einen um die veränderten Produktionsbedingungen und die gesellschaftlichen Herausforderungen, vor die Autorinnen und Autoren sowie Verleger von Bildungsmedien sich in den ehemals sozialistischen Ländern gestellt sahen.

Des Weiteren behandeln etliche Beiträge inhaltliche Veränderungen in Lehrmitteln für einzelne Fächer, die den politisch-gesellschaftlichen Veränderungen in den betreffenden Ländern einschließlich der ehemaligen DDR geschuldet waren. Dies betrifft u.a. die Fächer Heimatkunde, Englisch, Chemie, Biologie, Geschichte und Geographie.

Neben diesen Beiträgen aus Deutschland, Polen, Rumänien, Russland, Serbien und Tschechien geht es auch um die Darstellung des vereinten Deutschlands und des veränderten Europas in Schulbüchern von Ländern, die selbst nicht von den Umwälzungen betroffen waren – in England, Finnland, Frankreich, Italien, Norwegen, der Schweiz und Spanien.

Zum Inhaltsverzeichnis und zur Einleitung dieses Buches